
Meine Absicht war, ihn völlig zu überraschen. Mein letzter Brief aus Argentinien hatte keine Silbe von einer geplanten Reise enthalten, da ich mich kurzfristig, infolge plötzlicher geschäftlicher Komplikationen, hierzu entschlossen hatte. So malte ich mir nun aus, was für Augen er wohl bei meinem unerwarteten Eintreffen machen würde.
Ich wußte nur zu gut, daß er sich kaum je aus der näheren Umgebung seines Wohnsitzes entfernte. Die Zeiten, in denen sein Beruf ihn nötigte, ausgedehnte Reisen in England zu unternehmen, waren endgültig vorbei. Seine Fähigkeit war weithin bekannt, und er ließ es nicht mehr zu, daß ein plötzlich auftretender Fall seine ganze Zeit in Anspruch nahm. Mehr und mehr betätigte er sich als beratender Kriminalist, so wie beispielsweise ein Spezialarzt der Harley Street von seinen Patienten konsultiert wird. Er war oft aufgebracht über die weitverbreitete Meinung, daß er ein menschlicher Bluthund sei, der seine größte Genugtuung darin fände, Verbrecher aufzuspüren und jeden Fußabdruck auf seine Maße hin zu prüfen. »Nein, mein Freund Hastings«, pflegte er zu sagen, »das überlassen wir lieber Giraud und seinen Freunden; Hercule Poirot verfährt nach seiner eigenen Methode. Sowohl Methode als auch Organisation und - nicht zu vergessen: er läßt seine >kleinen grauen Gehirnzellen< arbeiten. Wir sitzen bequem daheim in unseren Sesseln und überlegen dabei Dinge, die von anderen übersehen werden; vor allem lassen wir uns nicht zu unüberlegten Handlungen hinreißen wie unser ehrenwerter Freund Inspektor Japp.«
Nein, ich hatte durchaus keine Bedenken, Hercule Poirot nicht in seinen vier Wänden anzutreffen. Bei der Ankunft in London ließ ich mein Gepäck im Hotel und machte mich auf den Weg zu seiner Wohnung. Wieviele alte Erinnerungen kamen mir in den Sinn! Ich ließ mir kaum Zeit, meine alte Wirtin zu begrüßen, nahm gleich zwei Stufen auf einmal und klopfte an Poirots Tür.
