
Poirot hatte sich die Mühe gemacht und uns vorher angemeldet, da es ihm bereits bekannt war, daß Madame Olivier wegen ihrer intensiven Forschungsarbeit niemals Besucher ohne Voranmeldung empfing.
Wir wurden in einen kleinen Salon geführt, den kurz darauf die Dame des Hauses betrat. Madame Olivier war eine große Erscheinung, ihre Schlankheit wurde noch betont durch einen langen weißen Mantel und eine weiße Kappe, die ihren Kopf umhüllte. Sie hatte ein schmales, bleiches Gesicht und wundervolle dunkle Augen, die beinahe schwärmerisch leuchteten. Sie glich eher einer Priesterin alter Zeiten als einer modernen Französin. Die eine Wange war durch eine Narbe entstellt, und ich erinnerte mich, daß ihr Gatte und sein Assistent vor drei Jahren bei einer Explosion im Laboratorium getötet wurden, während sie schreckliche Verbrennungen davongetragen hatte. Seither hatte sie sich von der Umwelt abgeschlossen und sich mit wahrem Eifer in ihre wissenschaftlichen Arbeiten vertieft. Sie empfing uns mit kühler Höflichkeit.
»Ich bin bereits des öfteren durch die Polizei vernommen worden, meine Herren. Ich glaube daher kaum, daß ich Ihnen noch irgendwie von Nutzen sein kann, da ich auch der Polizei keine befriedigende Auskunft habe geben können.«
»Madame, es ist durchaus wahrscheinlich, daß meine Fragen von denen der Polizei abweichen. Um gleich zu beginnen, was war der Inhalt Ihrer Gespräche mit Mr. Halliday?« Sie sah etwas überrascht auf.
»Natürlich seine Arbeit! Seine Arbeit und auch die meine.«
