
Es war Madame Olivier!
»Monsieur Poirot«, sagte sie in höhnischem Tone. »Der große, der berühmte und einzigartige Monsieur Poirot! Ich habe Sie bereits gestern morgen warnen lassen. Sie entschlossen sich, meine Warnungen zu mißachten - Sie waren der Meinung, sich uns entgegenstellen zu müssen. Und nun sind Sie in meiner Hand!« Eine kalte Feindseligkeit strömte von ihr aus, die mir durch Mark und Bein ging. Sie stand in krassem Gegensatz zu dem tiefen Feuer ihrer Augen. Sie mußte wahnsinnig sein - in höchstem Grade von genialem Wahnsinn befallen. Poirot enthielt sich jeder Äußerung. Sein Kinn war herabgesunken, und er starrte sie unverwandt an.
»Nun«, fuhr sie fort, »dies ist das Ende. Wir können es nicht zulassen, daß man unsere Pläne durchkreuzt. Haben Sie noch einen Wunsch?«
Noch nie hatte ich mich dem Tode so nahe gefühlt. Poirot verhielt sich großartig, er zeigte weder Verwirrung noch Erbleichen, sondern starrte sie nur unablässig mit unvermindertem Interesse an.
»Ihre Psychologie interessiert mich ganz außerordentlich, Madame«, bemerkte er mit vollkommener Ruhe. »Es ist nur schade, daß mir nur noch so kurze Zeit zur Verfügung steht, um sie studieren zu können. Ja, wenn Sie mich schon danach fragen, so habe ich ein Anliegen. Soweit mir bekannt ist, hat ein Verurteilter das Recht, wenigstens noch eine Zigarette zu rauchen. Ich habe mein Zigarettenetui bei mir, wenn Sie mir gestatten wollten...« Er sah auf seine Fesseln hinab.
»Ah, natürlich«, lachte sie.»Sie wollen mich bitten, Ihre Fesseln zu lösen, nicht wahr? Sie sind sehr schlau, Hercule Poirot, das weiß ich. Ich werde Ihre Hände nicht befreien - aber ich werde Ihnen eine Zigarette herausholen.« Sie kniete neben ihm nieder, zog das Zigarettenetui hervor, entnahm ihm eine Zigarette und steckte sie ihm zwischen die Lippen.
