»Um diese Zeit erwarte ich sie noch nicht«, flüsterte Poirot, »möglicherweise kommen sie gar nicht vor morgen nacht. Sie wissen, daß nur zwei Nächte verbleiben, in denen das Radium noch greifbar ist.« Wir benutzten den Schlüssel zum Gartentor mit äußerster Vorsicht, sie öffnete sich lautlos, und wir schlüpften in den Garten. Doch gleich danach geschah etwas vollkommen Unerwartetes: innerhalb einer Minute waren wir umzingelt, gebunden und geknebelt. Mindestens zehn Männer mußten uns überwältigt haben. Jeglicher Widerstand wäre nutzlos gewesen, und wie zwei hilflose Bündel wurden wir aufgehoben und fortgetragen. Zu meinem größten Erstaunen trug man uns zum Hause hin, und nicht in entgegengesetzter Richtung. Mit einem Schlüssel wurde das Laboratorium geöffnet, und wir wurden hineingetragen. Einer der Männer machte sich vor dem großen Safe zu schaffen, und die Tür sprang auf. Ein unangenehmer Gedanke durchzuckte mich; wollten sie uns darin verbergen und langsam ersticken lassen? Jedoch zu meiner größten Überraschung bemerkte ich, daß innerhalb des Safes einige Stufen zu darunterliegenden Räumen führten. Wir wurden die enge Treppe hinuntergeworfen und befanden uns endlich in einer unterirdischen Kammer. Eine Frau stand vor uns, groß und imposant, mit einer schwarzen Samtmaske vor dem Gesicht. Sie war offenbar die Anführerin und ließ durch ihre Gesten ihre Autorität erkennen.

Die Männer warfen uns auf den Boden und entfernten sich -wir waren allein mit der geheimnisvollen Frau. Es konnte gar kein Zweifel über die Identität bestehen: sie mußte die unbekannte Französin sein - Nummer drei.

Sie kniete neben uns nieder und entfernte die Knebel, doch ließ sie die Fesseln unberührt. Dann erhob sie sich, sah uns an, und mit einer blitzschnellen Bewegung entfernte sie ihre Maske.



61 из 199