Bran dachte darüber nach.»Kann ein Mann tapfer sein, auch wenn er sich fürchtet?«

«Das ist der einzige Moment, in dem er tapfer sein kann«, erklärte ihm sein Vater.»Verstehst du, warum ich es getan habe?«»Er war ein Wildling«, sagte Bran.»Sie verschleppen Frauen und verkaufen sie den Anderen.«

Sein Hoher Vater lächelte.»Old Nan hat euch wieder Geschichten erzählt. In Wahrheit war der Mann ein

Eidbrüchiger, ein Deserteur aus der Nachtwache. Niemand ist gefährlicher. Der Deserteur weiß, daß sein Leben verwirkt ist, wenn er gefaßt wird, daher wird er vor keinem Verbrechen zurückschrecken, so schändlich es auch sein mag. Doch du mißverstehst mich. Die Frage ist nicht, warum der Mann sterben mußte, sondern warum ich es tun mußte.«

Darauf wußte Bran keine Antwort.»König Robert hat einen Henker«, sagte er unsicher.

«Das stimmt«, bestätigte sein Vater.»Wie alle Könige der Targaryen vor ihm. Doch unsere Tradition ist die ältere. Das Blut der Ersten Menschen fließt noch heute in den Adern der Starks, und wir halten an dem Glauben fest, daß ein Mann, der ein Urteil spricht, auch selbst das Schwert führen soll. Wenn du jemandem das Leben nehmen willst, bist du es ihm schuldig, ihm in die Augen zu blicken und seine letzten Worte zu hören. Wenn du es nicht ertragen kannst, dann verdient der Mann vielleicht auch nicht den Tod.

Eines Tages, Bran, wirst du Robbs Vasall sein und selbst ein Lehen von deinem Bruder und deinem König erhalten, dann wird es an dir sein, Recht zu sprechen. Wenn dieser Tag kommt, darfst du keine Freude an dieser Aufgabe empfinden, doch darfst du dich auch nicht abwenden. Ein Herrscher, der sich hinter bezahlten Henkern versteckt, vergißt bald, was der Tod bedeutet.«

Das war der Moment, in dem Jon wieder auf der Kuppe des Hügels vor ihnen erschien. Er winkte und rief ihnen zu.»Vater, Bran, kommt schnell und seht, was Robb gefunden hat!«Dann war er erneut verschwunden.



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