«Das Lager liegt zwei Meilen von hier, hinter diesem Kamm, gleich neben einem Bach«, sagte Will.»Ich war so nah dran, wie ich mich traute. Sie sind zu acht, Männer wie Frauen. Kinder konnte ich keine sehen. An den Fels haben sie einen Unterstand gebaut. Mittlerweile ist er ziemlich schneebedeckt, aber ich konnte ihn trotzdem erkennen. Es brannte kein Feuer, aber die Feuerstelle war nicht zu übersehen. Niemand hat sich gerührt. Ich habe sie lange beobachtet. Kein Lebender kann so lange still liegen.«

«Hast du Blut gesehen?«

«Nein, das nicht«, räumte Will ein.»Hast du Waffen gesehen?«

«Ein paar Schwerter, ein paar Bögen. Ein Mann hatte eine Axt. Sah schwer aus, mit doppelter Klinge, ein grausiges Stück Eisen. Es lag neben ihm, direkt bei seiner Hand.«

«Hast du darauf geachtet, wie die Leichen lagen?«Will zuckte mit den Achseln.»Einige sitzen an den Stein gelehnt. Die meisten liegen am Boden. Als wären sie gestürzt.«

«Oder als würden sie schlafen«, vermutete Royce.

«Als wären sie gestürzt«, beharrte Will.»Eine Frau liegt da im Eisenholz, halb verborgen von den Zweigen. Mit abwesendem Blick. «Er lächelte leise.»Ich habe darauf geachtet, daß sie mich nicht sieht. Als ich näher kam, habe ich gesehen, daß auch sie sich nicht mehr rührt. «Unwillkürlich ging ihm ein Schauer über den Rücken.

«Ist dir kalt?«fragte Royce.

«Ein wenig«, murmelte Will.»Der Wind, Mylord. «Der junge Ritter wandte sich zu seinem ergrauten Krieger um. Erfrorene Blätter umflüsterten sie, und Royces Streitroß wurde unruhig.»Was, glaubst du, hat diese Leute getötet, Gared?«fragte Ser Waymar beiläufig. Er strich über seinen langen Zobelmantel.

«Es war die Kälte«, sagte Gared mit eiserner Bestimmtheit.»Ich habe im letzten Winter gesehen, wie Menschen erfrieren, und auch in dem davor, als ich fast noch ein Junge war. Alle reden von vierzig Fuß hohem Schnee und daß der Wind von Norden her heult, doch der eigentliche Feind ist die Kälte.



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