Sie schleicht sich leise an als Wind, und anfangs zittert man, und die Zähne klappern, und man stampft mit den Füßen und träumt von Glühwein und hübschen, heißen Feuern. Sie brennt, das tut sie. Nichts brennt wie die Kälte. Doch nur eine Weile. Dann kriecht sie in dich hinein und fängt an, dich auszufüllen, und nach einer Weile hast du keine Kraft mehr, dich zu wehren. Es fällt leichter, sich hinzusetzen oder einzuschlafen. Man sagt, man spürt am Ende keine Schmerzen. Erst wird man schwach und müde, und alles läßt nach, und dann ist es, als würde man in einem Meer aus warmer Milch versinken. Friedlich eigentlich.«

«Diese Beredsamkeit, Gared«, bemerkte Ser Waymar.»Nie hätte ich so etwas bei dir vermutet.«

«Ich hatte die Kälte selbst schon in mir, junger Herr. «Gared schob seine Kapuze zurück und ließ Ser Waymar einen langen, gewissenhaften Blick auf die Stümpfe werfen, wo einst seine Ohren gesessen hatten.»Zwei Ohren, drei Zehen und der kleine Finger meiner linken Hand. Ich bin noch gut weggekommen. Meinen Bruder haben wir erfroren auf seinem Posten gefunden, mit einem Lächeln auf dem Gesicht.«

Ser Waymar zuckte mit den Schultern.»Du solltest dich wärmer anziehen, Gared.«

Gared warf dem jungen Lord einen bösen Blick zu, und die Narben um seine Ohrlöcher, wo Maester Aemon ihm die Ohren abgeschnitten hatte, wurden rot vor Zorn.»Wir werden sehen, wie warm Ihr Euch kleiden könnt, wenn der Winter kommt. «Er zog seine Kapuze hoch und kauerte auf seinem Klepper, schweigend und brütend.

«Wenn Gared sagt, daß es die Kälte war…«, setzte Will an.

«Hast du letzte Woche Wache geschoben, Will?«

«Ja, Mylord. «Es verging keine Woche, in der er nicht ein ganzes dutzendmal Wache schob. Worauf wollte der Mann hinaus?

«Und was hat die Mauer getan?«

«Geweint«, sagte Will. Jetzt war alles klar, nachdem der junge Lord ihn darauf hingewiesen hatte.»Sie hätten nicht erfrieren können. Nicht, wenn die Mauer weint. Es war nicht kalt genug.«



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