

Für Dino
Fecisti patriam diversis gentibus unam.
Eine gemeinsame Heimat erschufst du der Vielfalt der Völker.
Rutilius Namatianus, De reditu suo, 63
Prolog
Dies sind die Erinnerungen von Myrdin Emreis, dem Druiden des heiligen Hains von Gleva, den die Römer Meridius Ambrosinus nannten. Sie wurden niedergeschrieben, damit die Ereignisse, deren letzter Zeuge ich bin, bei den Nachgeborenen nicht in Vergessenheit geraten.
Ich habe bereits vor geraumer Zeit die Schwelle zum Greisenalter überschritten und kann mir nicht erklären, warum sich mein Leben über jene Grenzen hinaus erstreckt, welche die Natur dem Menschen normalerweise setzt. Vielleicht hat mich der Engel des Todes vergessen, oder vielleicht will er mir diese letzte Frist gewähren, damit ich für meine Sünden büße, die zahlreich und schwerwiegend gewesen sind. Vor allem die der Anmaßung, denn ich habe mir viel auf die Intelligenz eingebildet, die Gott mir geschenkt hat, und aus Eitelkeit habe ich zugelassen, daß sich unter den Menschen Legenden über meine hellseherischen Fähigkeiten, ja sogar über Kräfte verbreiten konnten, die nur dem Höchsten Schöpfer und der Fürsprache der Heiligen zugeschrieben werden können. O ja, ich habe mich auch verbotenen Künsten gewidmet, jenen, deren Anleitungen die alten heidnischen Priester dieses Landes auf die Rinden der Bäume schrieben, ohne allerdings zu glauben, damit irgend etwas Schlechtes zu tun. Tatsächlich kann es nicht schlecht sein, wenn man auf die Stimme unserer Alten Mutter, der Höchsten Natur, hört und dem Raunen des Windes im Laub, dem Gluckern der Quellen im Frühling und dem Rascheln der Blätter im Herbst lauscht, - wenn die Hügel und die Ebenen während der stillen Sonnenuntergänge, die den Winter ankündigen, in leuchtenden Farben erstrahlen.
