Es schneit. Große weiße Flocken tanzen in der Luft, und ein weißer Mantel bedeckt die Hügel, die dieses stille Tal, diesen einsamen Turm umgeben. Ob so wohl das Land des Ewigen Friedens aussieht? Ist dies das Bild, das wir für immer mit den Augen der Seele schauen werden? Wenn dies zuträfe, wäre der Tod gütig und sanft der Weg zur letzten Ruhestätte.

Wieviel Zeit ist vergangen! Wieviel Zeit seit den stürmischen Tagen von Blut und Haß, seit den Zusammenstößen und den Todeszuckungen einer Welt, die ich zusammenbrechen sah, obwohl ich sie einst für unsterblich und ewig gehalten hatte. Und jetzt, da ich kurz vor der Vollendung meines letzten Schrittes stehe, fühle ich die Verpflichtung, die Geschichte dieser sterbenden Welt weiterzugeben und davon zu berichten, wie der letzte Sproß jenes verdorrten Baumes vom Schicksal in dieses ferne Land getragen wurde, um dort Wurzeln zu schlagen und ein neues Zeitalter zu begründen.

Ich weiß nicht, ob der Engel des Todes mir die Zeit lassen wird, und ich weiß nicht, ob dieses alte Herz es ertragen kann, so starke Gefühle erneut zu durchleben, die es schon damals, als es noch um einiges jünger war, beinahe zermalmt hätten. Aber ich werde mich nicht von der Größe des Unternehmens entmutigen lassen. Ich spüre, daß die Woge der Erinnerungen aufsteigt wie die Flut zwischen den Klippen von Carvetia; ich fühle, wie ferne, verschwunden geglaubte Anblicke wieder Konturen annehmen wie ein altes, von der Zeit ausgeblichenes Wandgemälde.

Ich hatte geglaubt, es würde genügen, zur Feder zu greifen und zu beginnen, dieses große Stück Tierhaut mit Zeichen zu bedecken, um die Geschichte Wiederaufleben und wie einen Fluß zwischen den Wiesen dahinströmen zu lassen, so, wie der Schnee im Frühjahr schmilzt - aber ich habe mich geirrt. Zu gewaltig ist die Wucht der herandrängenden Erinnerungen, zu stark der Knoten, der mir die Kehle zuschnürt, und kraftlos sinkt die Hand auf das noch unbeschriebene Blatt.



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