Am Nachmittag, wenn der versteinerte See reglos in der Hitze dalag und die Weinbäume wie erstarrt im Hof standen und die kleine marsianische Stadt sich abgekapselt hatte und niemand vor die Tür trat, dann hielt sich Herr K in seinen Gemächern auf und las in einem metallenen Buch, dessen Schrift reliefartig in die Seiten geprägt war und über die er wie ein Harfenspieler leicht mit der Hand hinwegstrich. Die Bewegung seiner Finger ließ eine Stimme aus dem Buch erklingen, eine sanfte alte Stimme, die die längst vergangenen Zeiten besang, als noch rote Dämpfe aus dem See gegen die Ufer wallten und längst dahingegangene Helden mit Heeren von Metallinsekten und elektrischen Spinnen in die Schlacht gezogen waren.

Herr und Frau K lebten nun schon zwanzig Jahre am Ufer des toten Sees, und ihre Vorfahren hatten in demselben Haus gewohnt, das sich schon seit zehn Jahrhunderten drehte und wie eine Sonnenblume stets der Sonne zuwandte.

Herr und Frau K waren nicht alt. Sie hatten die reine, bräunliche Haut der Marsianer, die typischen gelben Augen und die sanfte melodische Stimme. Früher hatte es ihnen Spaß gemacht, Feuerbilder zu malen, oder in den Kanälen zu schwimmen, wenn die Weinbäume sie mit grüner Flüssigkeit füllten, oder im Sprechzimmer vor den blauen Phosphor-Porträts zu sitzen und sich zu unterhalten, bis es dunkel wurde.

Nun waren sie nicht mehr glücklich.

An diesem Morgen stand Frau K zwischen den Säulen und blickte hinaus in die Wüste, beobachtete, wie der Sand sich erhitzte, zu gelbem Wachs verschmolz und den Horizont auszulöschen schien.

Etwas würde geschehen.

Sie wartete.

Sie beobachtete den blauen Marshimmel, als rechnete sie jeden Augenblick damit, daß er sich zusammenziehen und ein schimmerndes Wunder auf dem Sand absetzen könnte.



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