
Doch nichts geschah.
Des Wartens müde, ging sie zwischen den beschlagenen Säulen spazieren. Ein feiner Regen strömte von den ausschwingenden Enden der Säulen herab, kühlte die trockene Luft. Frau K fühlte, wie die Nässe sanft ihre Haut berührte. An solchen heißen Tagen schien man im Haus wie in einem Bach zu waten; über den Fußböden rannen schimmernde, kühle Ströme. Sie hörte, wie ihr Mann in seinem Zimmer geduldig das Buch spielte; seine Finger wurden der alten Gesänge niemals müde. Insgeheim wünschte sie sich, daß er auch einmal wieder soviel Zeit mit ihr verbringen und sie wie eine Harfe halten und berühren würde -soviel Zeit, wie er seinen unglaubwürdigen Büchern widmete.
Aber nein. Sie schüttelte den Kopf - eine unmerkliche, verzeihende Bewegung. Die Lider senkten sich über ihre goldenen Augen. Die Ehe nützt uns ab und läßt uns alt werden, auch wenn wir noch jung sind.
Sie legte sich in einen Stuhl, der sich ihrem Körper anpaßte, noch während sie sich zurechtlegte. Nervös kniff sie die Augen zusammen.
Da ereignete sich der Traum.
Ihre braunen Finger zitterten, griffen in die Luft. Einen Augenblick später führ sie erschrocken hoch.
Sie atmete schwer und blickte sich hastig um, als erwartete sie, jemanden zu sehen. Sie schien enttäuscht, als der Raum zwischen den Säulen leer war.
Ihr Mann erschien in der dreieckigen Tür. »Hast du gerufen?« fragte er gereizt.
»Nein!« antwortete sie.
»Ich dachte, ich hätte dich rufen gehört.«
»Wirklich? - Ich bin eingenickt und habe geträumt.«
»Am hellichten Tag? Das passiert dir nicht oft.«
Sie machte ein Gesicht, als habe ihr der Traum einen Schock versetzt. »Seltsam, wie seltsam«, murmelte sie. »Der Traum.«
»So?« Es zog ihn offensichtlich zu seinem Buch zurück.
»Ich habe von einem Mann geträumt.«
