
«Und wurde auch nichts – wie soll ich sagen? –, wurde nichts in das Geschäft hineingetragen? Ich meine, war nichts dort, was Sie seltsam fanden, irgendetwas nicht dorthin Gehörendes?»
«Ein Fahrplan lag dort», antwortete der Inspektor. «Ein Fahrplan?»
«Ja. Er lag aufgeschlagen, mit dem Rücken nach oben, auf dem Ladentisch. Es sah aus, als hätte jemand die Züge ab Andover studiert – entweder die alte Frau oder ein Kunde.»
«Ein Fahrplan, wie sie welche verkaufte?»
Der Inspektor schüttelte den Kopf.
«Sie verkaufte nur die billigen Lokalfahrpläne. Dieser hier war eine große Ausgabe – ein Kursbuch sozusagen.»
Poirots Augen begannen plötzlich zu funkeln. Er beugte sich vor. «Ein Fahrplan? Ein Bradshaw… oder ein ABC?»
Jetzt glühte auch in des Inspektors Augen ein Licht auf. «Bei Gott», sagte er leise, «es war ein ABC.»
5
Ich glaube, mit dieser ersten Erwähnung eines ABC-Fahrplanes erwachte überhaupt erst mein Interesse für diesen Fall. Bis zu diesem Augenblick hatte ich nicht viel Begeisterung für die Sache aufbringen können. Die gemeine Ermordung einer alten Frau in ihrem kleinen Laden entsprach so sehr den täglichen Meldungen der Zeitungen, dass mich das Ganze wirklich nicht zu fesseln vermochte. Ich hatte auch bereits den anonymen Brief samt dem Datum vom Einundzwanzigsten als reinen Zufall abgetan. Für mich stand fest, dass Mrs. Ascher von ihrem betrunkenen, brutalen Mann erschlagen worden war. Aber nun hatte die Erwähnung eines ABC-Fahrplans (so genannt und allgemein bekannt, weil er die Stationen in alphabetischer Reihenfolge aufführte) mich wie ein elektrischer Schlag durchzuckt. Bestimmt – ganz bestimmt konnte das nicht schon wieder ein Zufall sein!
Das dumpfe Alltagsverbrechen bekam ein neues Gesicht. Wer war der geheimnisvolle Unbekannte, der Mrs. Ascher ermordet und einen ABC-Fahrplan am Tatort liegen lassen hatte?
