Als wir den Polizeiposten verlassen hatten, galt unser erster Besuch der Leichenhalle, um die alte Frau zu sehen. Ein eigentümliches Gefühl erfasste mich, als ich auf das runzelige Gesicht und die straff zurückgekämmten schütteren Haare niederblickte. Es sah so friedlich aus, aller Grausamkeit so weit entrückt.

«Hatte keine Ahnung, wer und was sie von hinten erschlug», bemerkte der Sergeant. «Das sagt auch Dr. Kerr. Ich bin froh, dass es so war. Die Arme! War eine anständige Frau, das war sie.»

«Sie muss einmal sehr schön gewesen sein», murmelte Poirot.

«Glauben Sie?», fragte ich verwundert.

«Aber ja! Sehen Sie sich doch nur die Wangenlinie an, die Stirnknochen, die Kopfform.»

Er seufzte, als er das Tuch wieder über den Leichnam breitete, und wir verließen den makabren Ort.

Unser nächster Besuch galt dem Polizeiarzt. Dr. Kerr war ein tüchtiger Mann in mittleren Jahren. Er sprach ein wenig abgehackt, aber sehr klar.

«Die Waffe wurde nicht gefunden», berichtete er uns. «Unmöglich zu sagen, was es gewesen sein könnte. Ein schwerer Stock, eine Keule, eine Art Sandsack – lauter Eventualitäten in diesem Fall.»

«Hat der Schlag viel Kraft erfordert?»

Der Arzt warf Poirot einen aufmerksamen Blick zu.

«Sie meinen, ob ein zittriger alter Mann von siebzig Jahren ihn hätte ausführen können, nicht wahr? Gewiss, das wäre durchaus möglich. Vorausgesetzt, dass das Kopfende der Waffe schwer genug war, konnte ein körperlich sogar recht schwacher Mensch das erhoffte Resultat erzielen.»

«Also könnte der Mörder ebenso gut eine Frau wie ein Mann gewesen sein?»

Diese logische Folgerung schien den Arzt zu verwirren.

«Eine Frau? Nun, ich muss gestehen, dass mir noch nie der Gedanke kam, eine Frau mit einem Verbrechen dieser Art in Verbindung zu bringen. Aber es ist natürlich möglich – sehr gut sogar. Trotzdem möchte ich vom rein psychologischen Standpunkt aus behaupten, dass dieser Mord nicht von einer Frau begangen worden ist.»



19 из 203