Ich brauche wohl nicht eigens zu versichern, dass mein erster Weg mich zu Hercule Poirot führte.

Nach einer herzlichen Begrüßung betrachtete ich meinen alten Freund näher. Er sah prächtig aus – kaum einen Tag älter geworden, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte.

«Sie sehen beneidenswert gut aus, Poirot», sagte ich. «Keine Spur gealtert! Im Gegenteil! Wenn das möglich wäre, würde ich sogar behaupten, Sie hätten das letzte Mal, als ich Sie sah, mehr graue Haare gehabt.»

Poirot blickte mich strahlend an.

«Und warum sollte das nicht möglich sein? Es stimmt!»

«Soll das heißen, dass Ihre Haare vom Grau wieder zum Schwarz wechseln statt umgekehrt?»

«Genau das.»

«Aber das ist doch eine wissenschaftliche Unmöglichkeit!»

«Ganz und gar nicht.»

«Mir kommt das unnatürlich vor.»

«Sie sind noch immer der reine Tor, Hastings, wie eh und je. In diesem Punkt konnten die Jahre Sie nicht verändern! Es fällt Ihnen etwas auf, Sie sagen es laut und erwähnen auch gleichzeitig die Lösung – aber Sie merken es selber nicht!»

Ich starrte ihn verwundert an.

Er verschwand wortlos in seinem Schlafzimmer und kam mit einer Flasche zurück, die er mir aushändigte.

Ich las die Aufschrift:

REVIVIT – gibt dem Haar seine natürliche Tönung wieder.

REVIVIT – ist ein Färbemittel. Erhältlich in fünf Farbtönen: Aschblond, Kastanienbraun, Tizianrot, Braun und Schwarz. «Poirot», rief ich entsetzt, «Sie haben Ihre Haare gefärbt!»

«Endlich begreifen Sie es!»

«Allmächtiger», sagte ich, als ich mich von diesem Schock erholt hatte, «vielleicht tragen Sie, wenn ich das nächste Mal komme, einen falschen Schnurrbart! Oder ist der jetzige schon falsch?» Poirot zuckte ein wenig zusammen. Sein Schnurrbart war von jeher Gegenstand seines größten Stolzes gewesen. Meine Worte hatten ihn also ziemlich getroffen.



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