
»Ich verstehe Sie nicht«, sagte ich.
»Sie können sie haben«, erwiderte er.»Umsonst. Ich verlasse Lissabon morgen vormittag. Ich habe nur eine Bedingung.«
Ich ließ die Hände sinken. Ich hatte gewußt, daß es nicht wahr sein konnte.»Was?«fragte ich.
»Ich möchte diese Nacht nicht allein bleiben.«
»Sie wollen, daß wir zusammenbleiben?«
»Ja. Bis morgen früh.«
»Das ist alles?«
»Das ist alles.«
»Sonst nichts?«
»Sonst nichts.«
Ungläubig blickte ich den Mann an. Ich war zwar daran gewöhnt, daß Leute unserer Art manchmal zusammenbrachen; daß sie oft nicht alleinbleiben konnten; daß sie die Platzangst von Menschen bekamen, für die nirgendwo mehr Platz ist; und daß ein Genosse in einer Nacht, sei er auch noch so fremd, einen vor dem Selbstmord bewahren konnte; aber es war dann selbstverständlich, daß man sich half; man setzte keine Preise dafür aus. Und nicht solche.»Wo wohnen Sie?«, fragte ich.
Er machte eine abwehrende Bewegung.»Dahin will ich nicht. Gibt es keine Kneipe, in der man noch sitzen kann?«
»Es gibt sicher noch welche.«
»Gibt es keine für Emigranten? So wie das Café de la Rose in Paris?«
Ich kannte das Café de la Rose. Ruth und ich hatten dort zwei Wochen geschlafen. Der Wirt erlaubte es einem, wenn man einen Kaffee bestellte. Man brachte ein paar Zeitungen mit und legte sich auf den Boden. Ich hatte nie auf den Tischen geschlafen; vom Fußboden konnte man nicht herunterfallen.
»Ich weiß keines«, erwiderte ich. Ich wußte eines; aber man führt einen Mann, der zwei Schiffskarten verschenken wollte, nicht dahin, wo Leute ein Auge hergegeben hätten, um sie zu bekommen.
