„Sie können sie haben", sagte der Mann. „Ich brauche sie nicht."

„Sie brauchen sie nicht? Was heißt das?"

„Ich brauche sie nicht mehr."

Ich starrte den Mann an. Ich begriff ihn nicht. Er schien tatsächlich kein Polizist zu sein. Um mich festzunehmen, hätte er solche ausgefallenen Tricks nicht nötig gehabt. Aber wenn die Fahrscheine echt waren, weshalb konnte er sie dann nicht gebrauchen? Und wozu bot er sie mir an? Um sie zu verkaufen? Etwas in mir begann zu zittern.

„Ich kann sie nicht kaufen", sagte ich schließlich auf deutsch. „Sie sind ein Vermögen wert. Es soll in Lissabon reiche Emigranten geben; die werden Ihnen dafür zahlen, was Sie verlangen. Sie sind an den Falschen gekommen. Ich habe kein Geld."

„Ich will sie nicht verkaufen", sagte der Mann.

Ich blickte wieder auf die Scheine. „Sind sie echt?"

Er reichte sie mir, ohne zu antworten. Sie knisterten in meinen Händen. Sie waren echt. Sie zu besitzen war der Unterschied zwischen Untergang und Rettung. Selbst wenn ich sie nicht benutzen konnte, weil wir keine amerikanischen Visa hatten, konnte ich morgen vormittag noch versuchen, daraufhin welche zu bekommen — oder ich konnte sie zumindest verkaufen. Das bedeutete sechs Monate mehr Leben. Ich verstand den Mann nicht.

„Ich verstehe Sie nicht", sagte ich.

„Sie können sie haben", erwiderte er. „Umsonst. Ich verlasse Lissabon morgen vormittag. Ich habe nur eine Bedingung."

Ich ließ die Hände sinken. Ich hatte gewußt, daß es nicht wahr sein konnte. „Was?" fragte ich.

„Ich möchte diese Nacht nicht allein bleiben."

„Sie wollen, daß wir zusammenbleiben?"

„Ja. Bis morgen früh."

„Das ist alles?"

„Das ist alles."

„Sonst nichts?"

„Sonst nichts."

Ungläubig blickte ich den Mann an.



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