
Er machte eine abwehrende Bewegung. „Dahin will ich nicht. Gibt es keine Kneipe, in der man noch sitzen kann?"
„Es gibt sicher noch welche."
„Gibt es keine für Emigranten? So wie das Cafe de la Rose in Paris?"
Ich kannte das Cafe de la Rose. Ruth und ich hatten dort zwei Wochen geschlafen. Der Wirt erlaubte es einem, wenn man einen Kaffee bestellte. Man brachte ein paar Zeitungen mit und legte sich auf den Boden. Ich halte nie auf den Tischen geschlafen; vom Fußboden konnte man nicht herunterfallen.
„Ich weiß keines", erwiderte ich. Ich wußte eines; aber man führt einen Mann, der zwei Schiffskarten verschenken wollte, nicht dahin, wo Leute ein Auge hergegeben hätten, um sie zu bekommen.
„Ich kenne hier nur ein einziges Lokal", sagte der Mann. „Aber wir können es versuchen. Vielleicht ist es noch offen."
Er winkte ein einsames Taxi heran und sah mich an.
„Gut", sagte ich.
Wir stiegen ein, und er nannte dem Chauffeur eine Adresse. Ich hätte gern Ruth noch benachrichtigt, daß ich die Nacht nicht zurückkäme; aber plötzlich, als ich in das schlecht riechende, dunkle Taxi einstieg, sprang mich eine so wilde, entsetzliche Hoffnung an, daß ich fast taumelte. Vielleicht war dies alles wirklich wahr; vielleicht war unser Leben noch nicht zu Ende, und das Unmögliche wurde Tatsache: unsere Rettung. Ich getraute mich nicht mehr, den Fremden auch nur eine Sekunde allein zu lassen.
Wir umfuhren die theatralische Kulisse der Praca do Comercio und kamen nach einiger Zeit in ein Gewirr von Treppen und Gassen, die aufwärts führten.
