„Glauben Sie an ein Weiterleben nach dem Tode?" fragte der Mann mit den Billetts.

Ich blickte auf. Ich hätte alles andere erwartet. Es war eine zu unvermutete Frage. „Ich weiß es nicht", erwiderte ich schließlich. „Ich war in den letzten Jahren zu sehr mit dem Weiterleben vor dem Tode beschäftigt. Wenn ich in Amerika bin, werde ich gern darüber nachdenken", fügte ich hinzu, um ihn daran zu erinnern, daß er mir die Billetts versprochen hatte.

„Ich glaube nicht daran", sagte er.

Ich atmete auf. Ich war bereit, einem Unglücklichen zuzuhören, aber ich hätte nicht gern diskutiert. Ich hatte keine Ruhe dazu. Unten lag das Schiff.


Der Mann saß eine Zeitlang da, als schliefe er mit offenen Augen. Dann, als der Gitarrespieler auf die Terrasse kam, wachte er auf. „Ich heiße Schwarz", sagte er. „Es ist nicht mein richtiger Name; er ist der, der auf meinem Paß steht. Aber ich habe mich an ihn gewöhnt, und er wird für heute nacht genügen. Waren Sie lange in Frankreich?"

„Solange es ging."

„Interniert?"

„Als der Krieg ausbrach. Wie alle andern."

Der Mann nickte. „Wir auch. Ich war glücklich", sagte er dann plötzlich leise und rasch, den Kopf gesenkt, die Augen abgewandt. „Ich war sehr glücklich. Glücklicher, als ich je geglaubt hätte, sein zu können."

Ich drehte mich überrascht um. Er sah wahrhaftig nicht so aus. Er wirkte eher wie ein mittelmäßiger, etwas schüchterner Mann.

„Wann?" fragte ich. „Etwa im Lager?"

„Im letzten Sommer."

„1939? In Frankreich?"

„Ja. Im Sommer vor dem Kriege. Ich begreife jetzt noch nicht, wie alles kam. Deshalb muß ich mit jemand darüber reden. Ich kenne niemand hier. Wenn ich mit jemand darüber rede, wird es noch einmal dasein. Es wird mir dann ganz klarwerden. Und es wird bleiben. Ich muß es nur noch einmal..." Er brach ab. „Verstehen Sie?" fragte er nach einer Weile.



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