
Rita Mae Brown
Die Sandburg
Aus dem sich lichtenden Nebel tauchte ein Schild mit einem dicken roten Krebs auf, das an weißen Scharnieren befestigt war.
«Jesus.» Mutter riss das Steuer herum. Ihre Schwester Louise wies sie scharf zurecht. «Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen.» «Hab ich nicht, Hohlkopf, ich hab den Namen seines Sohnes gebraucht.» «Die Heilige Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gilt für alle drei.» «Dies ist ein Ausflug ans Meer. Wenn ich Religionsunterricht will, geh ich in die Kirche.»
«Das ist es ja eben, oder?», antwortete Louise selbstgefällig. «Du bist Lutheranerin, das ist die Strafe Gottes. Sonst würdest du in der einzig wahren Kirche beten.»
Mutter wich dem Köder zu einem Streit aus, den ihre ältere Schwester - um wie viel älter, auch das war ein ewiges Streitobjekt - ihr hinwarf, und zuckte die Achseln. «Gott wird mir vergeben, das ist sein Beruf.»
Louise, die steif und fest behauptete, Mitte vierzig zu sein, verschränkte die Arme.
Zweiundfünfzig oder dreiundfünfzig kam der Wahrheit näher.
Ich war vom Herumreißen des Steuers aufgewacht und meldete mich zu Wort.
«Wie lange noch? Wann sind wir da?»
«Nicht mehr lange.» Mutter wich einer klaren Ansage aus.
«Eine Dreiviertelstunde. Wenn sich der Nebel lichten würde, ging's schneller.»
Louise grauste davor, im Nebel zu fahren, und recht hatte sie.
Mutter grauste vor nichts. Das dachte ich zumindest mit sieben. Mutter saß nämlich am Steuer von Tante Wheezies neuem schwarzen Nash mit langweiliger grauer Innenausstattung. Ich konnte das Auto nicht ausstehen, aber ich behielt meine Meinung für mich. Wie konnte man bloß ein Auto fahren, das wie eine Küchenschabe aussah? Schon mit sieben war ich technikbegeistert, was meinen Vater beglückte und meine Mutter ergötzte. Leroy, der noch schlief neben mir, zeigte, obwohl er ein Junge war, kein Interesse für Motoren.
