Er war im Juni acht geworden. Ich würde dieses fortgeschrittene Alter erst im November erreichen, und an diesen paar extra Monaten hatte er seine Freude, an Autos dagegen nicht. «Ich liebe die Chesapeake Bay.» Mutter lächelte, als das erste Rosa am Horizont auftauchte; der Nebel wurde stellenweise dünner. «Wheeze, weißt du noch, wie Tante Doney und Onkel Jim uns am vierten Juli hierher mitgenommen haben? Ich muss in Nickels Alter gewesen sein.»

Louise strahlte. «Mit dem vielen Leinen und Tüllzeugs, in das sie gehüllt war, sah

Tante Doney aus wie ein Araber.»

«Sie hatte so helle Haut», bemerkte Mutter.

«Ich werde nie vergessen, wie du und ich braun geworden sind und sie einen Anfall gekriegt hat. Wir sähen wie Landarbeiter aus, hat sie gesagt.» «Lieber wie Landarbeiter als wie 'n Kadaver.» Mutter hatte das Gefühl, in jedem Lebensabschnitt von irgendwem gesagt gekriegt zu haben, was sie zu tun hatte und wie, und Tante Doney war da keine Ausnahme gewesen. «Vielleicht hatte sie ja nicht ganz unrecht, aber wir waren damals Teenager, und Coco Chanel ersann die Mode, im Sommer Weiß mit Braungebrannt zu tragen. Oh, weißt du noch, das französische Ringelhemd, das ich damals hatte? Blau­weiß gestreift. Ich fand es einfach umwerfend.» «War es auch.»

«Drum hab ich's dir auch nie geliehen. Du hättest es sowieso zerrissen oder bekleckert. Juts, du bist manchmal so ungestüm. Wenn man dir beim Tanzen bloß zuguckt, ist man schon ganz erledigt.»

«Mutter, wann seid ihr zwei mit Tante Doney und Onkel Jim hier gewesen?» «Ich glaube, das erste Mal war 1912. Hat 'ne Ewigkeit gedauert, die Fahrt. Es gab eine Eisenbahnverbindung, man konnte mit dem Zug nach St. Mary's fahren. Wir sind eine ganze Woche geblieben.»

Um mich an etwas zu erinnern, was ich längst wusste, weil ich Geschichte wirklich gern mochte, sagte Tante Louise: «Einige reiche Leute hielten sich Autos als Spielerei. Man fuhr mit der Straßenbahn, mit dem Zug oder mit dem Pferdewagen. Hatte nicht Mrs. Chalfonte das erste Auto in Runnymede?» «Nein, das war ihr Bruder. Der Bruder, der im Krieg gefallen ist», antwortete Mutter.



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