«Es war ein heilloses Schlamassel, sag ich euch, und Onkel Jim musste eine Geldstrafe zahlen, und dann hat er noch mehr gezahlt, damit es nicht in die Zeitung kam. Was für ein Tag.»

«Tante Doney hat auf dem ganzen Heimweg nicht mit uns gesprochen, und es war eine lange Zugfahrt, das kann ich euch sagen.» Mutter wischte sich wieder Tränen aus den Augen.

«Was hat eure Mama gemacht, als ihr nach Hause gekommen seid?» Leroy war schon so bange zumute, dass er die Schultern hochzog.

«Sie hat gelacht und gelacht. Tante Doney war so wütend, dass sie einen ganzen

Monat nicht mit ihr gesprochen hat, und Mama hat gesagt, das war eine

Wohltat.» Louise stützte sich auf ihre Schwester.

«Wir konnten doch nichts dafür, dass plötzlich ein

starker Wind aufgekommen ist.» Mutter schob kurz das Kinn vor.

«Und wir konnten auch nichts dafür, dass sie so viel Torte und Kuchen gegessen

hat. Die Frau konnte futtern wie ein Scheunendrescher. In der Öffentlichkeit hat

sie nicht so gefuttert, aber wenn wir unter uns waren, hat sie die Gabel benutzt

wie eine Schaufel. Ich hab mir geschworen, nie so auszusehen, wenn ich mich an

den Tisch setze.» Um das zu unterstreichen, tupfte Louise sich wieder mit ihrer

Stoffserviette die Lippen ab.

«Du isst nicht viel, Louise. Dein Tischgebet dauert so lange, dass das Essen kalt wird. Dabei vergeht dir der Appetit», zog Mutter sie auf. «Juts, du bist so ein Philister.» «Was ist ein Philister?», fragte Leroy.

Tante Louise zog ihren Pullover aus, weil die Sonne höher gestiegen war und die allmählich feuchte Morgenkälte vertrieb. «Was lernt ihr eigentlich in der St.- Patrick-Kirche? Du weißt nicht, was ein Philister ist?»

«Ich bin offensichtlich einer.» Mutters roter Lippenstift betonte ihr Grinsen. «Juts.» Louise schlug ihren schulmeisterlichen Ton an. «Und?» «Jesus konnte die Philister nicht leiden», meldete ich mich zu Wort. «Deine Tante Louise kann sie nicht leiden», sagte Mutter mit einem diabolischen Klang in der Stimme.



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