
«Im selben Krieg wie PopPop?», fragte ich.
«Im selben Krieg», bestätigte Tante Louise. «Ich bete zu Gott, dass es nie wieder einen gibt. Dass es der Krieg zur Beendigung aller Kriege war.» «Denkste.» Mutter ging vom Gas, um eine S-Kurve zu nehmen. Ein Lastwagen mit Holzverschalung an den Seiten, um die Heuladung festzuhalten, schlingerte uns entgegen.
«Der Zweite Weltkrieg ist immer noch der Erste Weltkrieg.» Tante Louise sah aus
dem Fenster; die lichten Reste des Nebels leuchteten jetzt rosa.
«Wieso?»
«Die Streitfälle wurden beim ersten Mal nicht geklärt.» Tante Louise, die sich nicht sonderlich für Geschichte interessierte, verfolgte aber die aktuellen Ereignisse, und dieses waren in ihren Augen aktuelle Ereignisse. «Krieg wird es immer geben. Die Menschen bringen sich nur zu gerne gegenseitig um», erklärte Mutter kategorisch.
«Wenn die Völker der Welt Christus annehmen würden, dann wäre es mit Krieg für immer vorbei.»
«Tante Wheezie, wie können sie Christus annehmen, wenn sie ihren eigenen Gott haben?»
«Sie sind im Irrtum.» Eine Äußerung voller Entschiedenheit und Überzeugung. «Oh.» Ich drängte nicht weiter, vor allem, weil Religionen mich viel weniger fesselten als Pferde, Autos und Geschichte.
«Lasst uns wieder in demselben Lokal Mittagessen», schlug Mutter vor. «Das ist eine Dreiviertelstunde von St. Mary's.» Tante Louise meinte den Bezirk an der Südspitze von Süd-Maryland. Die Kleinstadt dort hieß St. Mary's City. «Du hast recht. Okay, Nick, halt die Augen auf, bis du noch mal so ein Schild siehst, da machen wir dann auf dem Heimweg halt und essen. Wir können nicht den ganzen Tag hierbleiben, deswegen sind wir ja so früh losgefahren. Aber ich hab die Bucht so gern, wenn die Sonne aufgeht, wenn die Vögel herumfliegen und sich miteinander unterhalten. Und jetzt im August kommen die Blesshühner reingeflogen, um Rast zu machen.»
