
Ach was, dachte er. Hol sie ruhig alle zusammen. Sie haben lange genug in dem kleinen Aufenthaltsraum im Heck gekauert.
Er betätigte einen Hebel über sich.
»Der Kapitän«, erklärte er mit Tenorstimme, die trotzdem einen rauhen Unterton hatte, so daß sie ein wenig schroff und unabsichtlich sarkastisch klang, »ersucht heute um das Vergnügen Ihrer Gesellschaft beim Abendessen. Wenn Sie wollen, können Sie in dreißig Minuten zu mir in die Messe kommen. Denken Sie sich nichts dabei, wenn Sie keine Lust haben. Ich tue es auch nicht«, schloß er und schaltete den Lautsprecher ab, während er leise in sich hineinlachte.
Warum mache ich das? fragte er sich zum hundertsten — oder zum tausendsten? — Mal. Neun Tage lang jage ich sie herum, tyrannisiere sie und sehe von ihnen so wenig wie möglich. Und wenn ich anfange, gesellig zu sein, geht es daneben.
Er seufzte, streckte die Hand aus und wählte die Speisen an. Jetzt würden sie kommen oder hungern müssen. Er kratzte sich zerstreut und fragte sich, ob er vor dem Essen duschen sollte oder nicht. Nein, entschied er, ich habe erst vor fünf Tagen geduscht; ich nehme einfach ein Deodorant.
Er griff nach dem Buch, das er mit Unterbrechungen gerade las, eine blutige Romanze auf irgendeinem fernen Planeten, vor Jahrhunderten veröffentlicht und von einer überraschten und zufriedenen Bibliothekarin für ihn als Faksimileausgabe hergestellt.
Er nannte Bibliothekare seine Geheimagenten, weil er zu den ganz wenigen Leuten gehörte, die überhaupt Bücher lasen. Bibliotheken waren gewöhnlich Einzeleinrichtungen auf Planeten und wurden nur von sehr wenigen Leuten aufgesucht. Niemand schrieb mehr Bücher, dachte er, nicht einmal diesen Mist hier. Was man an Informationen brauchte, bezog man aus dem Computeranschluß in jedem Haushalt; selbst davon war die übergroße Mehrheit Sprachgeräte, die Fragen beantworteten. Nur die Technokraten mußten lesen.
Nur Barbaren und Wanderer lasen noch.
