Der Kapitän nickte und lächelte, dann drückte er einen Knopf unter seinem Stuhl. Die Speisefächer öffneten sich oben, und vor jedem standen Platten mit dampfender Nahrung. Eine große Flasche und vier Gläser stiegen aus einer runden Öffnung in der Tischmitte.

»Ich habe es vor langer Zeit bekommen«, sagte er, griff nach einem Glas und goß nicht-alkoholischen Wein ein.

»Sie sind also verjüngt worden, Captain?«fragte Hain höflich.

Brazil nickte.

»Sehr oft. Frachtschiffkapitäne sind bekannt dafür.«

»Aber das kostet — es sei denn, man hat Einfluß beim Rat«, meinte Hain.

»Gewiß«, sagte Brazil, während er an seinem synthetischen Fleisch kaute. »Aber wir werden gut bezahlt, sind alle paar Wochen nur wenige Tage im Hafen, und die meisten von uns hinterlegen ihre Gehälter einfach, um zu bezahlen, was wir brauchen. Heutzutage gibt es sonst nicht viel, wofür man es ausgeben kann.«

»Aber das Datum«, warf Vardia ein. »Es ist so alt. Bürger Hain sagte, es seien dreihundertzweiundsechzig Jahre.«

»Nicht so ungewöhnlich«, sagte Brazil achselzuckend. »Ein anderer Kapitän auf dieser Linie ist über fünfhundert.«

»Ja, das ist wahr«, erklärte Hain. »Aber auf dem Patent steht ›Dritte Erneuerung — P. C.‹. Wie alt sind Sie denn nun wirklich?«

Brazil zuckte wieder mit den Schultern.

»Ich weiß es ehrlich nicht. Jedenfalls so alt wie die Aufzeichnungen. Das Gehirn hat eine endliche Aufnahmefähigkeit, so daß jede Verjüngung von der Vergangenheit ein wenig mehr auslöscht. Ich habe manchmal Erinnerungsfetzen, aber nichts, was ich festhalten kann. Ich könnte sechshundert Jahre alt sein — oder sechstausend, obschon ich das bezweifle.«

»Sie haben nie nachgeforscht?«fragte Hain.

»Nein.«Brazil schluckte den Brei hinunter und trank einen Schluck Wein nach. »Scheußliches Zeug«, sagte er und hielt das Glas hoch. »Ich bin durchaus neugierig gewesen, was das betrifft«, fuhr er fort, »aber die Aufzeichnungen hören einfach auf. Ich habe zu viele Bürokratien überlebt. Nun, ich habe ohnehin immer für jetzt und die Zukunft gelebt.«



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