Er sah das Wachboot über seinem eigenen Spiegelbild dahingleiten, die Ruder eingelegt, während der Bootsoffizier auf das Ankern des Zweideckers wartete.

Ohne selbst oben an Deck zu sein, konnte Bolitho sich alles ausmalen: die Männer an den Brassen und Fallen, andere, die zu beiden Seiten auf den großen Rahen auslegten, um die gewaltigen Segel zu bändigen und zu falten, was von Land dann so aussah, als ob jeder Streifen Leinwand durch den Griff einer einzigen Hand verschwunden sei.

Land! Für den Seemann war es immer ein Traum, ein neues Abenteuer.

Bolitho warf einen Blick auf seine Galauniform, die auf einer Stuhllehne bereit hing. Als er vor Jahren hier das Kommando auf der Sparrow erhielt, hätte er nie eine Admiralsuniform für sich erwartet. Tod durch Unglücksfall oder durch eine Kanonenkugel, das ja, sogar Versagen. Denn Mangel an Gelegenheit sich auszuzeichnen oder die Gunst eines Admirals zu gewinnen, machte jede Beförderung zu einer schwer zu nehmenden Hürde.

Nun aber war der Admiralsrock eine Realität, geschmückt mit zwei Goldepauletten und den dazugehörenden Silbersternen. Und doch. Er strich die Haarsträhne über seinem rechten Auge zurück. Wie die tiefe Narbe auf seiner Stirn, wo ein Entermesser sein Leben beinahe beendet hätte, hatte sich nichts verändert. Nicht einmal die Ungewißheit.

Er hatte geglaubt, er würde in seine Rolle hineinwachsen, obgleich der Schritt vom Kommandanten zum Flaggoffizier der größte von allen war. Sir Richard Bolitho, Ritter des Bath-Ordens, Vizeadmiral der Roten Flotte und nach Nelson der jüngste auf der Admiralsliste. Er lächelte schwach. Der König hatte sich nicht einmal an seinen Namen erinnert, als er ihn adelte. Bolitho hatte es hingenommen, daß er nicht mehr mit dem täglichen Borddienst konfrontiert war, auch nicht auf den Schiffen, die seine Flagge trugen.



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