
Auch früher hatten die Menschen Städte gebaut, aber nie eine Stadt wie diese. Manche überdauerten Jahrhunderte, einige sogar Jahrtausende, ehe die Zeit auch ihre Namen verschlang. Allein Diaspar hatte die Ewigkeit herausgefordert, sich und alle, denen sie Schutz gewährte, gegen die langsame Abnutzung der Zeit, die Verheerung der Fäulnis und die Verderbnis des Rostes verteidigt.
Seit der Gründung der Stadt waren die Meere ausgetrocknet, und die Wüste hatte sich über den ganzen Erdball ausgebreitet. Die letzten Berge waren vom Wind und Regen zu Staub zermahlen worden, und die Welt fühlte sich zu müde, um neue Berge hervorzubringen. Die Stadt kümmerte sich nicht darum. Und sollte die Erde selbst zerbröckeln, Diaspar würde die Kinder ihrer Schöpfer schützen und sie sicher den Strom der Zeit hinuntertragen.
Sie hatten viel vergessen, aber das wußten sie nicht. Sie waren an ihre Umwelt so vollkommen angepaßt, wie diese an sie — denn man hatte beide gleichzeitig entworfen. Was jenseits der Stadtmauern lag, berührte sie nicht. Diaspar war alles, was existierte, alles, was sie brauchten, alles, was sie sich vorstellen konnten. Es war ihnen gleichgültig, daß der Mensch die Sterne besessen hatte.
Und doch erhoben sich manchmal die alten Mythen und verfolgten sie; sie wurden unruhig, wenn sie sich an die Legenden des Imperiums erinnerten, als Diaspar noch jung war und vom Handel mit vielen Sternen lebte. Sie wollten die alten Tage nicht wiederbringen; sie waren mit dem ewigen Herbst zufrieden. Der Ruhm des Imperiums gehörte der Vergangenheit an, und dort sollte er bleiben — denn sie dachten auch an das Ende des Imperiums. Bei dem Gedanken an die Invasoren kroch die Eiseskälte des Weltraums in ihren Adern hoch.
