
Nachdem sie den Marktplatz überquert hatten, bogen sie in eine weitere, noch schmalere Gasse ein. Zwei oder drei Männer mit gesenkten Häuptern und unansehnlichen grauen Mänteln kamen ihnen entgegen und in mehreren Türen lehnten Gestalten, die ihnen mit gelangweilten Blicken nachsahen.
Irgendetwas stimmte nicht. Mike hatte plötzlich ein intensives Gefühl von Gefahr. Er blieb stehen und sah sich alarmiert um.
Er schien nicht der Einzige zu sein, dessen Sinne Alarm schlugen. Auch die drei Krieger hatten angehalten und die Hände auf ihre Schwerter gesenkt. Der Hauptmann sah sich aufmerksam um. Aber es war zu spät.
Die drei Männer, die ihnen entgegenkamen, machten keine Anstalten, ihnen in der schmalen Gasse Platz zu machen, sondern schlugen im Gegenteil plötzlich ihre Mäntel zurück. Darunter kamen zerschrammte Rüstungen, blitzende Schwerter und Dolche zum Vorschein. Auch hinter ihnen polterten plötzlich schwere Schritte auf der Gasse und im selben Augenblick flogen zu beiden Seiten ein Dutzend Fenster auf und Männer mit Armbrüsten und Bogen erschienen darin.
»Ein Hinterhalt!«, keuchte der Hauptmann. Er zog sein Schwert.
»Ganz recht«, sagte Sarn ruhig. »Und ich an deiner Stelle würde die Waffe wieder einstecken. Oder möchtest du unbedingt sterben?« Er lachte. »Ich kann dir allerdings versprechen, dass es sehr schnell und schmerzlos sein wird.«
Der Hauptmann presste die Lippen aufeinander. Sein Blick irrte nervös über die Gestalten, die die Straße vor ihnen versperrten. Offensichtlich wog er seine Chancen ab.
»Versuch es erst gar nicht«, sagte Mike. »Sie werden euch nichts tun, wenn ihr uns gehen lasst.«
»Wer sagt das?«, fragte Sarn.
»Ich!« Mike sah ihn herausfordernd an. Ein bisschen komisch kam er sich schon dabei vor, sich plötzlich für die Männer einzusetzen, die ihm vermutlich noch vor zehn Minuten kaltblütig die Kehle durchgeschnitten hätten. Trotzdem fuhr er fort: »Niemand hat etwas von ihrem Tod. Wenn das da deine Freunde sind, dann haben sie ihr Ziel erreicht, wenn wir frei sind. Es ist nicht nötig, hier ein Gemetzel anzurichten.«
