Zu jener Zeit fand das Tennis der Damen, das um Profistatus und Anerkennung kämpfte, seine junge Löwin in Billie Jean King und schließlich auch seine Geschäftsbärin in Lavinia. Lavinia tat eine Menge für den Sport. Vor allem setzte sie sich mutig dem Horror aus, sich den Lebensunterhalt zu erarbeiten. Mit Hilfe verschiedener Titel in verschiedenen Jahren kam Lavinias Macht im Tennis der des Generalstabs gleich. Sie war zwar nicht Gott, aber verdammt nahe dran. An Lavinia Sibley Archer kam man nicht vorbei.

Lavinia hatte etwas gegen Harriet Rawls und Jane Fulton, weil sie Tennis nicht so ernst nahmen, wie es sich ihrer Meinung nach gehörte. Dieser gewisse intellektuelle Verrat zehrte an Lavinias berühmten Nerven. In ihren besten Tagen wurde sie «Frau mit den Drahtseilnerven» genannt. Außerdem hieß es von ihr, sie habe die größten Titten im Tennis, aber das raunte man sich zu und meinte es nicht als Abwertung, im Gegenteil.

Schlimmer noch, Harriet und Jane hatten einmal etwas ebenso Unpatriotisches wie Geschmackloses ausgeheckt. Da sie das ewige Herunterleiern der Nationalhymne - Jane nannte es unsere Nationalhäme - satt hatten, begingen sie bei einem Turnier in Seattle ihre heimtückische Sünde. Das Halbfinale und Finale bei jedem Turnier sind die Abende, an denen für die Veranstaltung die Kasse klingelt. Mehr als 85 Prozent der ge­samten Einnahmen kommt an solchen Tagen herein. Lavinia trieb eine reizende Mariachi-Band auf, was schließlich in Seattle kaum aufzutreiben ist, die beim Halbfinale die Nationalhymne spielen sollte. Lavinia fand, daß es die Beziehungen zu Gruppen der Dritten Welt fördere. Wo im pazifischen Nordwesten sie diese brüllende Horde von Mexikanern eigentlich einordnete, wußte nur sie, aber die Mariachi-Band war in ihren Augen ein bedeutendes kulturelles Ereignis.



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