
Ein Obdachloser, der in der Mitte der Unterführung vor sich hin döste, streckte die Hand aus, als hoffe er, ich würde ihm die angenuckelte Pulle überlassen. Ich raste an ihm vorbei.
»Da ist noch was anderes… Beeil dich, Pawel.«
»Die Jungs sind schon unterwegs.«
Plötzlich spürte ich im Kiefer einen Schmerz, als stieße jemand eine glühende Nadel in ihn hinein. Verdammte Scheiße aber auch…
»Pascha, ich kann nicht mehr für das garantieren, was ich tu«, sagte ich noch rasch, bevor ich die Verbindung unterbrach. Und vor zwei Milizionären auf Streife stehen blieb.
Ist doch immer dasselbe!
Warum müssen die Ordnungshüter der Menschen immer im unpassenden Moment erscheinen?
»Sergeant Kaminski«, rasselte der junge Milizionär herunter.»Ihre Papiere…«
Was sie mir wohl anhängen wollen? Trunkenheit in der Öffentlichkeit? Vermutlich.
Ich steckte die Hand in die Tasche und berührte das Amulett. Es strahlte kaum noch Wärme aus. Viel war hier jedoch auch nicht nötig.
»Mich gibt’s nicht«, sagte ich.
Zwei Augenpaare wanderten über mich, die schmackhafte Beute - bevor sie erloschen und das letzte Fünkchen Verständnis aus ihnen wich.
»Es gibt Sie in der Tat nicht«, echoten sie im Chor.
Die Zeit, sie richtig zu programmieren, fehlte mir. Deshalb platzte ich mit dem Erstbesten heraus, das mir in den Sinn kam:»Kauft euch einen Wodka und lasst es euch gut gehen. Sofort! Abmarsch!«
Offensichtlich traf der Befehl auf fruchtbaren Boden. Indem sie sich wie zwei Jungen beim Spaziergang an den Händen fassten zogen die Milizionäre durch die Unterführung in Richtung der Kioske ab. Leichte Gewissensbisse befielen mich, als ich mir die Folgen meines Befehls ausmalte, aber ich hatte einfach nicht die Zeit, noch etwas zu korrigieren.
