
Blut hat einen bitteren, salzigen Geschmack, doch es allein vermag diesen Hunger zu stillen.
Verflucht!
Der Junge sprang von der Rolltreppe, rannte durch die Bahnhofshalle und verschwand durch die Glastür. Einen Augenblick lang fühlte ich mich besser. Mit etwas langsameren Schritten folgte ich ihm und beobachtete aus den Augenwinkeln heraus jede seiner Bewegungen: Der Junge tauchte in die Unterführung ab. Rannte schon, denn der Ruf zog ihn an, lockte ihn.
Schneller!
Ich sprintete zu einer Bude und knallte dem Verkäufer zwei Münzen hin.»Für sechs Rubel, mit Ringverschluss«, verlangte ich, möglichst ohne meine Zähne zu zeigen.
Der pickelige Verkäufer schlief fast ein - offenbar kippte er sich selbst den einen oder anderen während der Arbeit hinter die Binde -, als er mir mein Viertelliterchen reichte.»Hab schon besseren Wodka getrunken«, warnte er mich aufrichtig.»Ist zwar kein pures Gift, keine Dorochowskaja, aber trotzdem…«
»Die Gesundheit geht vor«, unterbrach ich ihn. Das Zeug hatte wirklich mit Wodka kaum was zu tun, tat’s im Moment aber. Mit einer Hand zog ich an dem Drahtring, sodass der Verschluss abging, mit der anderen kramte ich das Handy hervor und schaltete den Standardruf ein. Dem Verkäufer gingen die Augen über. Im Gehen nahm ich einen Schluck - der Wodka stank wie Kerosin und schmeckte noch schlimmer, die reinste Plörre, irgendwo heimlich zusammengepanscht - und rannte auf die Unterführung zu.
»Hallo?«
Larissa war schon nicht mehr da. Nachts schiebt in der Regel Pawel Dienst.
»Anton hier. Hotel Kosmos, irgendwo in der Nähe, in einem der Höfe. Ich folge ihm.«
»Eine Brigade?«In seiner Stimme schwang Interesse mit.
»Ja. Ich habe das Amulett schon entladen.«
»Was ist passiert?«
