
Wenn ich heute zurückblicke, so glaube ich, dass das Fundament für das, was im Winter des Jahres 1975 geschah — und auch für das, was folgte —, bereits mit diesen ersten Worten gelegt wurde.
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Wenn man den Erzählungen glauben darf, hat mein Vater einmal in Belutschistan mit bloßen Händen mit einem Schwarzbären gerungen. Wäre in den Geschichten von jemand anderem die Rede gewesen, hätte man sie wohl als laaf abgetan, jene afghanische Vorliebe fürs Übertreiben — leider beinahe so etwas wie eine Nationalkrankheit. Wenn einer damit prahlte, dass sein Sohn Arzt war, konnte man davon ausgehen, dass das Kind in der Schule einmal eine Biologieprüfung bestanden hatte. Aber niemand bezweifelte jemals die Richtigkeit irgendeiner Geschichte, in der es um Baba ging. Und falls jemand es doch wagte, nun, Baba hatte tatsächlich diese drei parallel verlaufenden Narben, die einen schartigen Pfad über seinen Rücken zogen. Ich habe mir unzählige Male Babas Ringkampf vorgestellt, sogar davon geträumt. Und in diesen Träumen vermag ich Baba nie von dem Bären zu unterscheiden.
Es war Rahim Khan, der zum ersten Mal in einer Weise von ihm sprach, die später zu Babas berühmtem Spitznamen führen sollte: Toophan agha, Herr Wirbelsturm. Es war ein überaus passender Spitzname. Mein Vater war eine Naturgewalt, ein hoch gewachsenes Exemplar von einem Paschtunen mit einem dichten Bart, eigensinnigem, lockigem braunem Haar, das zu einem Kurzhaarschnitt gestutzt und ebenso ungebärdig war wie der Mann selbst, mit Händen, die den Eindruck erweckten, eine Weide mitsamt ihrer Wurzel ausreißen zu können, und einem düsteren, stechenden Blick, der es vermochte, »den Teufel in die Knie zu zwingen und um Gnade flehen zu lassen«, wie Rahim Khan es auszudrücken pflegte. Wenn er auf Partys mit seinen gut einen Meter fünfundachtzig in den Raum gestürmt kam, richtete sich die Aufmerksamkeit auf ihn wie Sonnenblumen, die sich der Sonne zuwenden.
