
Man sagte, dass Sanaubars aufreizender Gang und ihre schwingenden Hüften die Männer zum Träumen brachten. Dagegen hatte Ali seit einer Polioinfektion ein verwachsenes, verkümmertes rechtes Bein, das aus bleicher Haut und Knochen bestand und dazwischen nicht viel mehr als eine hauchdünne Muskelschicht aufwies. Ich weiß noch, wie ich einmal — ich muss wohl acht Jahre alt gewesen sein — mit Ali zum Basar ging, um naan-Brot zu kaufen. Ich marschierte summend hinter ihm her und versuchte seinen Gang nachzuahmen. Ich beobachtete, wie er sein dürres Bein in einem weiten Bogen schwang, beobachtete, wie sein ganzer Körper jedes Mal, wenn er den dazugehörigen Fuß aufsetzte, unmöglich weit nach rechts wegkippte. Es erschien mir wie ein kleines Wunder, dass er nicht bei jedem Schritt umfiel. Als ich es versuchte, wäre ich beinahe in den Rinnstein gefallen. Das brachte mich zum Kichern. Ali drehte sich um und erwischte mich dabei, wie ich ihn nachäffte. Er sagte kein Wort. Damals nicht und auch später niemals. Er ging einfach weiter.
Alis Gesicht und sein Gang jagten einigen der jüngeren Kinder im Viertel Angst ein. Aber den wirklichen Ärger bereiteten ihm die älteren Kinder. Sie jagten ihn auf der Straße, verspotteten ihn, wenn er vorbeihinkte. Einige waren auf die Idee verfallen, ihn Babalu, Schwarzer Mann, zu nennen. »Hallo Babalu, wen hast du denn heute gefressen?«, riefen sie unter schallendem Gelächter, »Wen hast du heute gefressen, du flachnasiger Babalu?«
