
Poirot betrachtete den deprimierten jungen Mann freundlich.
»In der Jugend macht man manche Dummheit«, meinte er ermutigend. »Für einen x-beliebigen jungen Mann ist dies nicht so ausschlaggebend. Der gute Vater zahlt; ein Rechtsanwalt klärt das Mißgeschick. Der junge Mann lernt aus seinen Erfahrungen, und alles führt schließlich zum Guten. Ihre Lage ist allerdings wesentlich anders. Der Termin Ihrer Vermählung steht fest...«
»Das stimmt, das stimmt genau.« Zum erstenmal redete der junge Mann. »Sie nimmt alles sehr, sehr ernst, müssen Sie wissen. Sie nimmt das Leben sehr ernst. Sie hat große Pläne in Cambridge gefaßt. Das Erziehungswesen soll in unserem Land verbessert, Schulen sollen gebaut werden. Alles soll im Namen des Fortschritts und der Demokratie geschehen, müssen Sie wissen. Sie sagt, es soll nicht so wie zu Zeiten meines Vaters bleiben. Natürlich weiß sie, daß ich mich in London vergnüge, aber sie ahnt nichts von dieser skanda-lösen Geschichte. Ein Skandal - und es wäre alles aus. Der Rubin ist nämlich sehr, sehr berühmt. An ihm hängt eine lange Geschichte... viel Blutvergießen ... viele Tote!«
»Tote«, wiederholte Hercule Poirot nachdenklich. Er schaute Jesmond an. »Ich hoffe, es wird nicht dazu kommen.«
»Nein, nein, durchaus nicht«, sagte Jesmond. Seine Stimme klang reichlich unnatürlich. »Davon kann keine Rede sein, natürlich nicht.«
»Ganz sicher kann man nie sein«, antwortete Hercule Poi-rot. »Wer jetzt den Rubin auch immer besitzen mag - so kann es doch andere geben, die ihn haben möchten und vielleicht vor nichts zurückschrecken, mein Freund.«
Jesmonds Stimme klang jetzt noch unnatürlicher als zuvor:
»Ich glaube wirklich nicht, daß wir uns darüber Gedanken zu machen brauchen. Es führt ja zu nichts.«
Hercule Poirot wurde plötzlich reserviert.
»Ich«, sagte er, »ich mache es immer wie die Politiker. Ich versuche alle Möglichkeiten zu durchdenken.«
