
Die Wirklichkeit kam wie ein Schock. Es stimmte zwar, dass Paul, als sie in ihrem Zimmer waren, die Tür abschloss. Was danach kam, glich jedoch in nichts dem Traum. Während Frieda zusah, zog Paul schnell sein Hemd aus, wobei er eine hohe, magere, haarlose Brust enthüllte. Dann zog er die Hosen herunter. Zwischen seinen Beinen hing ein schlaffer, winziger, von der Vorhaut überzogener Penis. Er ähnelte in keiner Weise den erregenden Bildern, die Frieda gesehen hatte. Paul streckte sich auf dem Bett aus und wartete auf sie. Frieda merkte, dass sie sich selbst ausziehen musste. Langsam begann sie, ihre Kleider abzustreifen. Nun, Größe ist nicht alles, dachte Frieda. Paul wird ein wunderbarer Liebhaber sein. Einige Augenblicke später legte sich die zitternde junge Frau neben ihren Mann aufs Ehebett. Während sie darauf wartete, dass er etwas Romantisches sagte, wälzte Paul sich auf sie, stieß ein paar Mal in sie hinein und rollte wieder herunter. Für die verblüffte junge Frau war alles zu Ende, ehe es begonnen hatte. Was Paul betraf, so hatte er die wenigen sexuellen Erfahrungen bei den Prostituierten von München gesammelt, und er griff schon nach seiner Brieftasche, als ihm einfiel, dass er ja nicht mehr dafür zu zahlen brauchte. Von jetzt an war es kostenlos. Noch lange, nachdem Paul eingeschlafen war, lag Frieda im Bett und versuchte, nicht über ihre Enttäuschung nachzudenken. Sex ist nicht alles, sagte sie sich. Mein Paul wird einen wunderbaren Ehemann abgeben. Es sollte sich herausstellen, dass auch dies ein Irrtum war.
Kurz nach den Flitterwochen begann Frieda, Paul in einem realistischeren Licht zu sehen. Sie war im Hinblick auf ihre spätere Aufgabe als Hausfrau erzogen worden und gehorchte deshalb ihrem Mann ohne Widerrede, aber sie war keineswegs dumm.
