Frieda hatte sich, wenn auch schüchtern, auf den ersten Blick in ihren Mann verliebt. Sie hatte noch nie einen Dichter gesehen. Paul war hager und wirkte intellektuell, hatte blasse, kurzsichtige Augen und schütteres

Haar, und es dauerte Monate, bis Frieda glauben konnte, dass dieser gutaussehende junge Mann tatsächlich ihr gehörte. Sie machte sich keine Illusionen über ihr eigenes Aussehen. Ihre Figur war plump, hatte die Form einer übergroßen rohen Kartoffel. Das Hübscheste an ihr waren ihre lebhaften enzianfarbenen Augen, aber das übrige Gesicht schien anderen Leuten zu gehören. Ihre Nase war die ihres Großvaters, groß und knollig; ihre Stirn gehörte einem Onkel, hoch und fliehend, und ihr Kinn war das ihres Vaters, eckig und hart. Irgendwo in Friedas Innerem gab es ein schönes junges Mädchen, das Gott aus einer unerklärlichen Laune heraus in diesem Körper gefangen hielt. Die Leute sahen allein das abstoßende Äußere. Nur Paul nicht. Ihr Paul. Es war gut, dass Frieda nie erfuhr, dass ihre Anziehungskraft in ihrer Mitgift lag, die Paul ein Entrinnen von blutigen Rinderhälften und Schweineköpfen ermöglichte. Pauls Traum war es gewesen, ein Geschäft zu betreiben und genug Geld zu verdienen, um sich seiner geliebten Poesie widmen zu können.

Frieda und Paul verbrachten ihre Flitterwochen in einem Gasthof außerhalb Salzburgs, in einer schönen alten Burg an einem reizenden See, von Wiesen und Wäldern umgeben. Frieda hatte sich in Gedanken schon hundertmal die Hochzeitsnacht ausgemalt. Paul würde die Tür abschließen, sie in die Arme nehmen und zärtliche Worte flüstern, während er sie auszog. Seine Lippen würden die ihren finden und dann langsam ihren nackten Körper hinunterstreichen, so wie es in all den grünen Büchlein geschah, die sie im geheimen gelesen hatte. Sein Glied würde hart, steif und stattlich sein, und er würde sie zum Bett tragen und sie zart niederlegen. Mein Gott, Frieda, würde er sagen, ich liebe deinen Körper. Du bist nicht wie die mageren kleinen Dinger. Du hast den Körper einer Frau.



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