Alain Safford, dem diensttuenden Offizier der Bretagne, gewechselt. Die Blumen wurden Janin, einem untergeordneten Deckoffizier, übergeben, der sie ablieferte und dann Claude Dessard aufsuchte.

»Ich dachte, es würde Sie interessieren«, sagte Janin. »Rosen vom Präsidenten für Madame Temple.«

Jill Temple. Im letzten Jahr war ihr Bild auf den ersten Seiten der Tageszeitungen und auf den Titelblättern der Illustrierten von New York über Bangkok und Paris bis Leningrad erschienen. Claude Dessard erinnerte sich, gelesen zu haben, dass sie bei einer kürzlich durchgeführten Abstimmung über die meistbewunderten Frauen der Welt den ersten Platz errungen hatte und dass eine große Zahl neugeborener Mädchen Jill getauft wurden. Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten immer

ihre Heldinnen gehabt. Zu ihnen gehörte jetzt Jill Temple. Ihr Mut und der phantastische Kampf, den sie gewonnen hatte, um ihn durch die Ironie des Schicksals dann doch zu verlieren, hatte die Phantasie der Welt erregt. Es war eine großartige Liebesgeschichte, aber es war viel mehr als das: es enthielt alle Elemente der klassischen griechischen Tragödie.

Claude Dessard mochte die Amerikaner nicht, aber in diesem Fall machte er mit größtem Vergnügen eine Ausnahme. Er empfand ungeheure Bewunderung für Mme. Toby Temple. Sie war – und das war die höchste Auszeichnung, die Dessard vergeben konnte – galante. Er be-schloss, ihr die Reise so angenehm wie möglich zu machen.

Der Oberzahlmeister löste seine Gedanken von Jill Temple und konzentrierte sich auf eine letzte Überprüfung der Passagierliste. Da war die übliche Ansammlung dessen, was die Amerikaner VIPs nannten, ein Ausdruck, den Dessard verabscheute, besonders, da die Amerikaner barbarische Vorstellungen darüber hatten, was einer Person Bedeutung verlieh. Er bemerkte, dass die Frau eines reichen Industriellen allein reiste.



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