Mrs. Oliver nahm den Hut ab, und Maria half ihr, ein gutgeschnittenes, leichtes Wollkleid von zarter braunroter Farbe anzuziehen und den Hut festzustecken.

»Sie sehen sehr schick aus«, stellte Maria fest.

Das war es, was Mrs. Oliver an Maria so schätzte. Schon beim geringsten Anlaß lobte und bewunderte sie.

»Werden Sie bei dem Essen eine Rede halten?« fragte Maria. »Eine Rede!« rief Mrs. Oliver entsetzt. »Nein, natürlich nicht! Sie wissen doch, ich halte nie eine Rede.«

»Ich dachte, das ist bei einem Literatenessen üblich. Da gehen Sie doch hin, nicht wahr? Berühmte Schriftsteller von 1973 - oder was für ein Jahr gerade dran ist.«

»Ich brauche keine Rede zu halten«, sagte Mrs. Oliver. »Ein paar andere Leute, die so etwas gern tun, werden das übernehmen. Sie machen es viel besser als ich.«

»Ich bin überzeugt, Sie würden eine wunderbare Rede halten, wenn Sie wirklich wollten«, sagte Maria, als ob sie sie in Versuchung führen wollte.

»Nein, bestimmt nicht«, wehrte Mrs. Oliver ab. »Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Ich kann keine Rede halten. Ich rege mich auf und werde nervös und würde wahrscheinlich stottern oder zweimal dasselbe sagen. Ich würde mir nicht nur dumm vorkommen, sondern sicher auch so aussehen. Ich kann mit dem Wort umgehen, wenn ich schreibe oder auf Band spreche oder diktiere. Ich kann mit der Sprache umgehen, solange es sich nicht um eine Rede handelt.«

»Na ja. Es wird schon alles klappen. Ich bin ganz sicher. Ein großes Essen, nicht wahr?«

»Ja«, sagte Mrs. Oliver sehr bedrückt. »Ein ganz großes Essen.«

Und warum, überlegte sie, sprach es aber nicht aus, warum in aller Welt gehe ich hin? Sie grübelte darüber nach, da sie immer gern wußte, warum sie etwas tat, statt erst zu handeln und sich danach nach dem Grund zu fragen.



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