
Mrs. Burton-Cox tippte ein Stückchen Zucker in ihren Kaffee: und zermalmte es wie ein Raubtier, das einen Knochen frißt.; Vielleicht hat sie auch Elfenbeinzähne, überlegte Mrs. Oliver flüchtig. Elfenbein? Hunde hatten Zähne aus Elfenbein und Walrosse und Elefanten auch, natürlich. Riesengroße Stoßzähne aus Elfenbein.
»Also«, sagte Mrs. Burton-Cox da, »das erste, was ich Sie fragen muß - obwohl ich mir ziemlich sicher bin, daß es stimmt ... Sie haben eine Patentochter, nicht wahr? Celia Ravenscroft!«
»Oh«, sagte Mrs. Oliver, angenehm überrascht. Sie hatte das, Gefühl, daß sie einem Gespräch über ein Patenkind gewachsen sein würde. Sie hatte viele Patenkinder - Mädchen und Jungen. Es hatte Zeiten gegeben, wo sie sich eingestehen mußte, daß sie sich nicht mehr an alle erinnerte. Je älter sie wurde, um so schwieriger wurde es. Obwohl sie ihre Schuldigkeit getan hatte. Als sie noch klein waren, hatte sie ihnen zu Weihnachten Spielzeug geschickt, sie hatte ihre Patenkinder und deren Eltern regelmäßig besucht und die Kinder, während sie heranwuchsen, auch zu sich eingeladen oder sie einmal von der Schule abgeholt und zum Essen ausgeführt. Und dann kam der Höhepunkt: Entweder der Junge oder das Mädchen wurden einundzwanzig Jahre alt, aus welchem Anlaß die Patin entweder das richtige tun mußte oder jemand damit beauftragte, oder es wurde geheiratet, und da machte man das gleiche Geschenk oder schickte Geld. Danach entschwanden die Patenkinder meistens in den Hintergrund. Sie reisten ins Ausland, arbeiteten im Auswärtigen Amt, lehrten in fremden Ländern oder kümmerten sich um soziale Angelegenheiten. Jedenfalls verblaßte die Erinnerung an sie immer mehr. Man freute sich, wenn man ihnen plötzlich irgendwo begegnete, aber man mußte sich dann schon überlegen, wann man sie zum letztenmal gesehen hatte, wessen Sohn oder Tochter sie waren und aus welchem Grund man eigentlich zur Patin ausgewählt worden war.
