»Celia Ravenscroft«, sagte Mrs. Oliver nun gutmütig. »Ja, ja, sie ist mein Patenkind. Stimmt.«

Nicht, daß nun Celia Ravenscrofts Bild vor ihrem inneren Auge erstanden wäre, höchstens eines aus sehr, sehr früher Zeit. Die Taufe. Sie war bei Celias Taufe gewesen und hatte ein ganz reizendes silbernes Queen-Anne-Teesieb als Geschenk gefunden. Sehr hübsch war es gewesen. Man konnte es auch für Milch benutzen. Außerdem gehörte es zu den Gegenständen, die ein Patenkind stets leicht versetzen konnte, falls sie rasch ein bißchen Geld brauchte. Wieviel leichter es doch war, sich an silberne Kaffeekannen, Siebe oder Taufbecher zu erinnern als an das Kind selbst ...

»Ja«, sagte Mrs. Oliver. »Tatsächlich. Aber ich habe Celia leider sehr lange nicht gesehen.« »Sie ist ein ziemlich impulsives Mädchen«, erklärte Mrs. Burton-Cox. »Ich meine, sie ändert ständig ihre Meinung. Sehr intelligent, sehr gut auf der Universität, aber - ihre politischen Ansichten ... ich nehme an, daß heutzutage alle jungen Leute politisch interessiert sind.«

»Ich befasse mich nicht viel mit Politik«, sagte Mrs. Oliver, die Politik haßte.

»Wissen Sie, ich möchte Ihnen etwas anvertrauen. Ich werde Ihnen genau sagen, was ich herausbringen möchte. Ich weiß, es macht Ihnen nichts aus. Soviel Leute haben mir erzählt, wie gütig Sie sind, wie hilfsbereit.«

Ob sie mich anpumpen will, überlegte Mrs. Oliver, die viele Gespräche erlebt hatte, die auf diese Weise anfingen.

»Die Angelegenheit ist für mich äußerst wichtig. Ich muß es einfach herausfinden. Celia wird nämlich - oder glaubt, sie wird - meinen Sohn Desmond heiraten.«

»Ach, tatsächlich!« rief Mrs. Oliver.

»Jedenfalls haben die beiden das im Augenblick vor. Natürlich muß man über die Leute Bescheid wissen, und da gibt es etwas, das ich sehr gern herauskriegen möchte. Es ist ziemlich ungewöhnlich, und ich könnte nicht irgendeinen Fremden fragen, aber Sie empfinde ich nicht als Fremde, liebe Mrs. Oliver!«



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