»Warum bist du in den Keller gegangen?«, fragte Erlendur.

»Um den Weihnachtsmann zu holen. Die Kinder warteten auf ihn.«

»Die Kinder?«

»Auf der Weihnachtsfeier. Wir haben eine Weihnachtsfeier für die Hotelangestellten. Für ihre Kinder und auch für die Kinder von Hotelgästen, und er sollte den Weihnachtsmann spielen. Als er sich nicht blicken ließ, wurde ich losgeschickt, um ihn zu holen.«

»Das muss sehr unangenehm gewesen sein.«

»Ich habe noch nie eine Leiche gesehen. Und dann das Kondom …« Ösp versuchte, das Bild zu verdrängen.

»Hatte er Freundinnen hier im Hotel?«

»Nicht, dass ich wüsste.«

»Weißt du, ob er mit anderen Personen außerhalb des Hotels in Verbindung stand?«

»Ich weiß überhaupt nichts über diesen Mann, und ich hab mehr von ihm gesehen, wie mir lieb war.«

»Als«, korrigierte Erlendur.

»Was?«

»Es heißt mehr als und nicht mehr wie.«

Sie schaute ihn mitleidig an.

»Findest du, dass das eine Rolle spielt?«

»Ja«, sagte Erlendur.

Sie schüttelte den Kopf und war mit ihren Gedanken weit weg.

»Du weißt also nicht, ob er irgendwelchen Besuch hatte?«, fragte Erlendur, um das Thema Grammatik zu beenden. Im Geiste sah er ein Therapiecenter vor sich, wo deprimierte Als-Wie-Patienten in Bademänteln und Filzpantoffeln durch die Gänge schlurften und therapiert werden wollten.

»Nein«, sagte Ösp.

»Stand die Tür offen, als du kamst?«

Ösp überlegte einen Augenblick.

»Nein, ich hab sie aufgemacht. Ich hab angeklopft, und als keine Antwort kam und ich schon fast wieder gehen wollte, fiel mir ein, die Klinke auszuprobieren. Ich dachte eigentlich, dass abgeschlossen wäre, aber sie ging auf, und da saß er halb nackt und mit dem Kondom …«

»Wieso hast du geglaubt, dass abgeschlossen wäre?«, beeilte sich Erlendur einzuwerfen.



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