
»Da ist sie«, sagte der Hotelmanager, als trüge sie die Schuld daran, dass der Weihnachtsfrieden gestört worden war. Er scheuchte die anderen weg. Erlendur schob ihn ebenfalls hinaus und erklärte, er müsse in Ruhe mit dem Mädchen reden. Der Hotelmanager blickte ihn verwundert an, widersprach aber nicht, sondern murmelte, dass er genug zu tun hätte. Erlendur schloss die Tür hinter ihm.
Das Mädchen versuchte, das Mascara von den Wangen zu wischen, und schaute Erlendur an, verunsichert, was sie jetzt erwartete. Erlendur lächelte, zog einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber. Das Mädchen war im gleichen Alter wie seine Tochter, etwas über zwanzig, nervös und immer noch verschreckt durch das, was sie gesehen hatte. Sie war schlank, hatte schwarze Haare und trug die typische Zimmermädchenuniform, einen hellblauen Kittel. Auf der Brusttasche befand sich ein Namensschild.
Ösp. Eine Espe.
»Arbeitest du schon lange hier?«, fragte Erlendur.
»Fast ein Jahr«, sagte Ösp leise und blickte ihn an. Er schien ihr nichts tun zu wollen. Sie zog die Nase hoch und richtete sich auf ihrem Stuhl auf. Es hatte sie offenbar sehr mitgenommen, die Leiche zu entdecken. Ein Schauder durchfuhr sie. Der Name passt gut, dachte Erlendur bei sich. Sie zittert wie Espenlaub.
»Macht es dir Spaß, hier zu arbeiten?«, fragte Erlendur.
»Nein«, erwiderte sie.
»Und warum bist du dann hier?«
»Irgendwo muss man ja schließlich arbeiten.«
»Was ist denn so schlecht an diesem Job?«
Sie schaute ihn an, als läge die Antwort auf diese Frage auf der Hand.
»Ich überziehe die Betten. Putze die Klos. Sauge Staub. Trotzdem besser als im Bónus-Billigmarkt zu arbeiten.«
»Und die Leute?«
»Der Hotelmanager ist ein Arsch.«
»Kommt mir so vor wie ein Hydrant, der leckt«, sagte Erlendur.
Ösp lächelte.
»Und einige Gäste glauben, dass man hier arbeitet, damit sie einen betatschen können.«
