»Aha«, gab Sigurður Óli von sich, der mit dem Gesagten rein gar nichts anzufangen wusste.

»Ein Kinderstar«, sagte Elinborg. »Wenn ich mich nicht täusche, lebt sie noch. Ich erinnere mich nicht so genau. Ich glaube, sie arbeitet im Auftrag der Vereinten Nationen.«

Erlendur fiel auf, dass es keine weiteren persönlichen Gegenstände in dem Zimmer gab. Er sah sich um, nirgends ein Buchregal oder CDs, kein Computer, kein Radio und kein Fernseher. Nur ein Schreibtisch, ein Stuhl neben dem Bett und eben das Bett mit einem zerwühlten Kopfkissen und einem schmutzigen Bettbezug. Der winzige Raum erinnerte ihn an eine Gefängniszelle.

Er trat auf den Gang hinaus und spähte in die Dunkelheit.

Er glaubte, einen schwachen Rauchgeruch wahrzunehmen, so als hätte jemand mit Streichhölzern herumhantiert, um sich Licht zu verschaffen.

»Was gibt es da hinten sonst noch?«, wandte er sich an den Hotelmanager.

»Nichts«, erwiderte der und schaute zur Decke. »Nur das Ende des Gangs. Da fehlen ein paar Birnen, ich lass das in Ordnung bringen.«

»Wie lange hat der Mann hier gelebt?«, fragte Erlendur und ging in das Zimmer zurück.

»Ich weiß es nicht, das war vor meiner Zeit.«

»War er schon hier, als du Hotelmanager wurdest?«

»Ja.«

»Willst du mir damit sagen, dass er in diesem Kabuff mehr als zwanzig Jahre gelebt hat?«

»Ja.«

Elinborg betrachtete das Kondom.

»Auf jeden Fall hat er sich an Safersex gehalten«, erklärte sie.

»Nicht safe genug«, meinte Sigurður Óli.

In diesem Augenblick erschien der Amtsarzt im Gefolge eines Hotelangestellten, der sofort wieder Richtung Treppe verschwand. Der Arzt war ziemlich korpulent, konnte es aber keinesfalls mit dem Hotelmanager aufnehmen. Als er sich in das Zimmer zwängte, wurde es Elinborg zu eng und sie schlüpfte rasch hinaus.

»Hallo Erlendur«, sagte der Amtsarzt.



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