»Hat dieser Mann hier gewohnt?«, fragte Erlendur und blickte sich um. Elinborg und er hatten sich in das Zimmer hineingezwängt, Sigurður Óli und der Hotelmanager standen draußen. Für alle war drinnen kein Platz.

»Wir haben ihm gestattet, sich hier einzurichten«, sagte der Hotelmanager verlegen und wischte sich erneut den Schweiß von der Stirn. »Er arbeitete schon seit langem bei uns, war schon da, als ich kam. Er war Portier.«

»Stand die Tür offen, als man ihn gefunden hat?«, fragte Sigurður Óli und versuchte amtlich zu klingen, um den Ausrutscher von vorhin wieder wettzumachen.

»Ich habe sie gebeten, auf euch zu warten«, erklärte der Hotelmanager. »Das Mädchen, das ihn gefunden hat. Sie ist in der Kantine für die Hotelangestellten. Das arme Ding steht unter Schock, das könnt ihr euch sicher vorstellen.«

Der Hotelmanager vermied es, in das Zimmer zu blicken.

Erlendur trat zu der Leiche und untersuchte die Herzwunde. Er konnte sich nicht vorstellen, mit was für einem Messer der Mann getötet worden war. Er blickte hoch. Über dem Bett hing ein altes, vergilbtes Kinoplakat mit Shirley Temple, das an den Ecken mit Tesafilm angeklebt worden war. Erlendur kannte den Film nicht. Er hieß The Little Princess. Das Plakat war der einzige Schmuck, den es im Zimmer gab.

»Wer ist denn das?«, fragte Sigurður Óli, der an der Tür stand und das Plakat betrachtete.

»Das steht doch da«, sagte Erlendur. »Shirley Temple.«

»Wer war das noch? Lebt sie noch?«

»Wer war Shirley Temple?«, wiederholte Elínborg. »Weißt du wirklich nicht, wer sie war? Du hast doch angeblich in Amerika studiert.«

»War sie ein Hollywoodstar?«, fragte Sigurður Óli und schaute immer noch auf das Plakat.

»Sie war ein Kinderstar«, sagte Erlendur mürrisch. »So gesehen ist sie also schon lange tot, ob sie nun noch am Leben ist oder nicht.«



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