Jack L. Chalker

Entscheidung in der Sechseck-Welt

Kyrbizmith, ein Sechseck im Süden des Schwarzen Ozeans


Eine dunkle Straße ist überall gefährlich, aber hier, auf der Sechseck-Welt, in einem nicht-technischen Hexagon, dessen Tagwesen nach Sonnenuntergang buchstäblich in ein Koma verfielen, war das erst recht der Fall. Die Atmosphäre kam dem Durchschnittswert für die südliche Halbkugel so nah, wie das nur ging, und im Gegensatz zu vielen anderen Gegenden konnte hier nahezu jede Rasse existieren. Die Kyrbizmithen waren durch innere Abwehrmechanismen geschützt; man konnte sie nicht einmal berühren und hoffen, gesund und bei Verstand zu bleiben. Aber nichts schützte den Reisenden, der so unbesonnen war, die gut erkennbaren, jedoch unbeleuchteten Wege nach Sonnenuntergang zu benützen.

Der Tindler war so unbesonnen. Einem Riesen-Gürteltier mit langen Klauenhänden gleichend, die zum Laufen und Greifen benützt wurden, zog er die Straße hinunter, zuversichtlich, daß sein dicker Panzer ihn vor jedem Bewohner eines Nicht-tech-Hex schützen konnte. Sein Sehvermögen bei Nacht würde ihn rechtzeitig auf jede Falle aufmerksam machen.

»Hilfe! O bitte! Helft mir!«

Da war sie wieder — eine fremde, schrille Stimme, durch die Dunkelheit gellend. Dem Klang nach war sie von einem Übersetzungsgerät verarbeitet. Der Tindler, selbst ein weitgereister Handelsmakler, benützte eines. Wenn beide Gesprächspartner sie gebrauchten, klangen die Stimmen noch etwas künstlicher.

»Helft mir! Bitte! So helft mir doch!«flehte die rätselhafte Stimme vor ihm. Der Tindler wurde argwöhnisch. Automatisch vermutete er eine Falle von Räubern, die sich in dieser Gegend angeblich herumtrieben. Schlimmer noch, er fürchtete, unabsichtlich einen der riesigen Bäume berührt zu haben, die überall im ganzen Sechseck dichtgedrängt standen. Das waren die unbeweglichen Kyrbizmither selbst, die sich bewegten, indem sie den Geist miteinander tauschten, und die jedermanns Geist in sich aufsaugten, der sie ohne Erlaubnis berührte.



1 из 276