
Es störte sie nicht, daß ihre Haare die Sicht behinderten; den Kopf erhoben, so hoch es ging, konnte sie ohnehin kaum drei Meter weit sehen. Sie hatte gelernt, sich weniger auf ihre Augen als auf andere Organe zu verlassen, vor allem auf die Ohren, obwohl sie damit nicht besser hörte als früher mit ihren eigenen. Sie waren mit kleinen Muskeln in der Kopfhaut befestigt und unabhängig voneinander beweglich. Sie gebrauchte sie wie ein Insekt seine Fühler.
Sie ging zum äußeren, überdachten Teil ihrer Unterkunft, senkte das Gesicht zum Boden hinab und packte mit dem Gebiß eine Lederklappe. Sie zog sie zurück und gelangte zu einem einfachen Ledersack, den sie ebenfalls mit den Zähnen hochhob. Die Ambreza sorgten dafür, daß ihr Gebiß gesund blieb.
Ihre Halsmuskeln waren das einzige Hilfsmittel, das ihr zur Verfügung stand, um den schweren Sack hochzuheben. Sie stellte die Vorderbeine auf beiden Seiten des Sacks nieder und wühlte mit Nase und Mund, bis die Öffnung für ihr Gesicht groß genug war. Im Inneren befand sich gekochtes, kleingehacktes Fleisch, kalt, aber noch frisch. Sie fraß, wie ein Hund es tat. Danach schloß sie den Sack, legte ihn wieder in das Loch und deckte es zu.
Die Ambreza hinterließen jeden Monat kleine, etikettierte Plastikbeutel mit geschmacklosem Inhalt, aber davon wollte sie nichts wissen. Das machte sie abhängig von anderen, und sie hatte es nicht lange ertragen.
Sie ging zu der kleinen Süßwasserquelle, deren Rinnsal auf dem Weg zum nahen Meer von Turagin durch das Gelände floß. Sie senkte ihr Gesicht in das Wasser und trank durstig. Die Kälte erfrischte sie.
Keine Abhängigkeit, nicht von Dauer, dachte sie befriedigt. Die beherrschende Kultur in diesem Hex war primitiv menschlich. Die Bewohner waren dunkelhäutige Leute mit negroiden Zügen, aber kompaktem Körperbau. Ihr Haar war glatt und schwarz wie das ihrige. Zu Anfang hatten die Ureinwohner sich mit der Mär erschreckt, die Göttin der Tiere, lebe in ihrer Mitte, und sie würden in Tiere verwandelt werden, wenn sie sie auch nur zu Gesicht bekämen.
