Als die vier Jahre dann vorbei waren, hatte er trotz der schönen und bewegenden Abschiedsrede und der salbungsvollen Segenswünsche des Präsidenten den heiligen Hallen nicht den Rücken gekehrt, sondern lediglich den Platz gewechselt; er hatte das Versteck gewechselt. Schritt für Schritt ging es weiter: zuerst Master's Degree, dann Habilitation bei Cap Anson, daraufhin Anstellung an der Universität als wissenschaftlicher Assistent - und später dann als assistierender Professor.

Aber all das war nicht »das Leben«. (Er kurvte durch einen Verkehrskreisel mit der gedankenlosen Selbstverständlichkeit dessen, der schon so lange Auto fährt, dass sein Wagen den Weg nach Hause allein findet und schneller rollt, wenn er schon von weitem die Garage wittert.)

Eine Universität war etwa ebenso Teil des Lebens, wie ein Strudel Teil des Stroms war. Die Studenten bewegten sich im großen Strom; sie kamen von den entfernten Bächen und Flüsschen der Kindheit herangeschwommen, trieben vorbei und folgten der Strömung in ein Land, das Brade nie erforscht hatte. Er selbst aber blieb zurück im ewig gleichen Strudel.

Und unterdessen wurden die Studenten immer jünger. In den ersten Jahren seiner Assistentenzeit waren sie fast gleichaltrig gewesen, und er hatte die Würde seiner Position mit einem gewissen Unbehagen empfunden. Jetzt, nach siebzehn Jahren, brauchte er sich nicht mehr um Würde zu bemühen- sie war mit Falten in sein Gesicht geschrieben, mit Adern auf seine Handrücken. Die Studenten sprachen in respektvollem Ton mit ihm, und er war für sie nur der Professor. Das stand ihm, der langsam älter wurde, in der Welt fortwährender Jugend eben zu. Dennoch gab es auch in diesem Strudel des Universitätslebens wieder Dinge, denen bei all ihrem künstlichen und nach innen gekehrten Rang mehr oder weniger Bedeutung zugemessen war.



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