So gab es zum Beispiel eine magische Trennungslinie zwischen dem Rang des assistierenden Professors, den Brade seit elf Jahren einnahm, und dem des außerordentlichen Professors, den man ihm jetzt schon mindestens drei Jahre lang vorenthielt.

Sein Fuß drückte automatisch auf das Gaspedal, als die Ampel wieder grün wurde.

Ein »assistierender Professor« konnte jederzeit mit oder ohne Grund entlassen werden. Sein Vertrag brauchte nur nicht mehr erneuert zu werden. So einfach war das. Einem »außerordentlichen Professor« konnte nur aus ganz bestimmten Gründen gekündigt werden; solche Gründe gab es nicht viele. Er konnte sich für den Rest seines Lebens finanziell sicher fühlen. Jetzt aber, nachdem einem seiner Studenten das zugestoßen war, würde die Trennungslinie zurückweichen; von »Sicherheit« konnte schon gar keine Rede sein bei ihm. Er presste die Lippen zusammen und bog in seine Straße ein. Er konnte schon von weitem durch die Zweige der Platane im Vorgarten das Licht in seinem Haus erkennen.

Doris' Sorge würde natürlich nur seiner Beförderung gelten. Er stellte sich schon vor, wie er ihr versicherte, dass man ihn für das Geschehene nicht verantwortlich machen könnte. Wenn es doch nur wahr wäre, dachte er.

Doris kam ihm schon an der Tür entgegen. Sie hatte auf ihn gewartet. Ich hätte sie anrufen sollen, dachte er etwas schuldbewusst. Er kam zwar oft später, aber trotzdem...

Tatsache war, dass er versuchte (und zwar ganz bewusst), einer Aussprache mit ihr aus dem Weg zu gehen. Was sollte er nur jetzt sagen, verdammt noch mal?

Sich entschuldigen, dass er nicht angerufen hatte? Hektisch über unverfängliche Dinge reden? Nach Anson fragen? Es war wie damals, als sie in frostiger Stimmung von einem Institutsfest nach Hause gefahren waren, weil er etwas zu aufmerksam zu der Frau eines der Studenten gewesen war, die sich offenbar vorgenommen hatte, mit Grübchen und tiefem Ausschnitt die Chancen ihres Mannes zu verbessern. Damals hatte er, als sie das Haus betraten, in heller Verzweiflung ausgerufen: »Oh, verdammt, jetzt wollen wir erst mal einen Schluck trinken!«



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