
Schnell, langsam, ob mit oder ohne Schmerzen - jede dieser Substanzen war ein ausgezeichnetes Heilmittel gegen irdisches Elend, und nach ihrem Gebrauch war ein Rückfall ins Leben unmöglich.
Brade seufzte. Für die Gedankenlosen unter denen, die mit ihnen umgingen, mochten sie sehr wohl Salz sein. Man ließ sie auf Wiegepapier rieseln oder in Kolben, löste sie in Wasser auf, verschüttete oder spritzte sie auf Arbeitstische, fegte sie zusammen oder wischte sie mit einem Papiertuch auf.
Alle diese Tropfen oder Krümel Tod wurden beiseite gestrichen, um vielleicht einem Frühstücksbrot Platz zu machen. Oder ein Becherglas, das vor kurzem noch den großen Gleichmacher enthalten hatte, wurde danach für Orangensaft benutzt.
In den Regalen war Bleiacetat, auch Bleizucker genannt, weil es süß schmeckte, während es einen tötete. Da waren noch Bariumnitrat, Kupfersulfat, Natriumdichromat und Dutzende weiterer Substanzen, die alle tödliche Gifte waren.
Und Zyankali natürlich. Brade hatte gedacht, die Polizei werde das Glas beschlagnahmen, aber die Beamten betrachteten es nur aus der Entfernung und ließen es samt seinem guten halben Pfund Tod stehen. In den Schränken unter der Arbeitsplatte waren die Fünf-Liter Flaschen mit starken Säuren - darunter Schwefelsäure: ein Spritzer konnte den Unachtsamen das Augenlicht kosten und anstelle des Gesichts eine einzige Narbe hinterlassen. In einer Ecke standen Zylinder mit komprimiertem Gas, einige dreißig Zentimeter lang, andere fast so groß wie ein ausgewachsener Mann. Jede von ihnen konnte eine grässliche Explosion auslösen, wenn man ein paar einfache Vorsichtsmaßregeln außer acht ließ, oder in anderen Fällen einen heimtückischen Giftmord herbeiführen. Tod auf die gewaltsame oder auf die verstohlene Art, durch den Mund, durch die Nase, oder sogar Schritt für Schritt über die Jahre hinweg wie im Falle der Quecksilberkügelchen, die gewiss in Dielenritzen und verborgenen Winkeln böse aufleuchten, wenn der Staub, der sie bedeckte, entfernt wurde.
