
Der Tod war da, in vielfältiger Gestalt, und keinen störte es. Und dann stand einer von denen, die mit ihm zusammensaßen, plötzlich nicht mehr auf.
Brade war vor drei Stunden in das Studentenlabor gegangen. Seine Sauerstoff-Reaktion machte gute Fortschritte, und die neue Sauerstoffflasche, die er gerade angeschlossen hatte, ließ langsam ihr Gas in das Reaktionssystem hineinströmen. Die Versuchsanlage war bis zum nächsten Morgen versorgt; noch einer letzten kleinen Pflicht musste er nachkommen, und dann würde er nach Hause fahren, wo er um fünf Uhr mit Cap Anson verabredet war.
Wie er später erläuterte, schaute er, ehe er das Gebäude verließ, kurz noch bei den Studenten herein, die noch in ihren Labors arbeiteten. Und außerdem hatte er sich eine geringe Menge titrierter Zehntel - MolSalzsäure ausleihen wollen, und Ralph Neufeld hatte, wie allgemein bekannt war, die sorgfältigst standardisierten Reagenzien im ganzen Haus.
Ralph Neufeld lag mit dem Oberkörper auf der Specksteinplatte innerhalb des Abzugs, das Gesicht von der Tür abgewandt. Brade runzelte die Stirn. Für einen so gewissenhaften Studenten wie Neufeld war das eine höchst ungewöhnliche Pose. Wenn ein Chemiker das Experiment innerhalb eines Abzugs durchführte, ließ er das Fenster aus Sicherheitsglas zwischen sich und den gärenden Chemikalien herunter. Er sorgte dafür, dass die brennbaren Dämpfe innerhalb des Abzugs blieben und durch den Ventilator hinaufbefördert wurden. Dass das Fenster hochgeschoben war und der Experimentator mit dem Kopf auf dem einen Ellenbogen im Abzug lag, war auf jeden Fall ungewöhnlich.
Brade sagte: »Ralph!« und trat näher. Man hörte seine Schritte kaum auf dem Korkfußboden. Neufeld fühlte sich steif an, als er ihn mit der Hand berührte. Jäh beunruhigt, drehte Brade den Kopf des Studenten herum, so dass er das Gesicht sehen konnte. Das kurzgeschnittene blonde Haar lag wie üblich in dichten Wellen. Neufelds Augen starrten ihn unter halbgeschlossenen Lidern glasig an.
