Auf eigene Kosten, wenn auch mit wenig Hoffnung, hatte Bolitho Handzettel verteilen lassen und zwei Rekrutierungskommandos auf die Suche nach neuen Leuten ausgeschickt. Und zu seiner großen Verwunderung waren über vierzig Männer aus Cornwall an Bord gekommen, meist Leute vom Land, von Bauernhöfen und aus Bergwerken, aber alle freiwillig.

Der Leutnant, der sie auf das Schiff brachte, war voller Komplimente und fast schon Ehrfurcht gewesen, denn es war wirklich selten, daß jemand das Leben an Land aufgab, um es gegen die strenge Disziplin und die Gefahren auf einem Kriegsschiff einzutauschen. Bolitho konnte es noch nicht glauben, daß diese Männer tatsächlich unter ihm dienen wollten, einem Landsmann aus Corn-wall, dessen Name in ihrer heimatlichen Umgebung bekannt war und bewundert wurde. Es hatte ihn verblüfft und nicht wenig gerührt.

Jetzt war dies alles schon Vergangenheit. Seine neue Besatzung, eingepfercht in den hundertachtzig Fuß langen Rumpf, wartete auf ihn, den Mann, der — gleich nach Gott — über ihr Leben bestimmen würde. Sein Urteil und sein Können, seine Tapferkeit und was sonst immer würden darüber entscheiden, ob sie lebten oder starben. Der Hyperion fehlten zu ihrer vollständigen Besatzung von sechshundert Mann immer noch fünfzig, aber das war in diesen schweren Zeiten nicht sehr viel. Die wirkliche Schwierigkeit stand in unmit-tellbarer Zukunft bevor, wenn er jeden einzelnen antreiben mußte, um sie alle zu einer disziplinierten Einheit zu verschmelzen.

Er wurde aus seinem Brüten aufgestört, weil die Tür hinter ihm aufging. Als er sich umdrehte, sah er seine Frau im Türrahmen stehen. Sie trug einen langen grünen Samtmantel, dessen Kapuze das volle, kastanienbraune Haar unverhüllt ließ, und ihre Augen glänzten so hell, daß er befürchtete, sie halte ihre Tränen gerade noch zurück.



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